Die Familie sieht es nicht gerne, wenn Frontagenten zu gute Freunde oder dergleichen haben: Enge Freundschaften könnten unsere Loyalität der Familie gegenüber verwässern. Und man kann ohnehin nie jemandem wirklich nahestehen, wenn das gemeinsame Leben auf einer Lüge beruht. Agenten an der Front führen einsame Leben, das müssen wir. Denn wenn man jemanden gern hat, dann will man ihn nicht in Gefahr bringen.«

»Und deine Familie hat das unterstützt?«, fragte Molly.

»Selbstverständlich! Sie wollte, dass die Familie das Wichtigste in unserem Leben ist, damit wir nie in Versuchung kämen, uns von ihr abzuwenden. Ich hatte mehr Freiheit als die meisten, und dennoch unterwarf ich mich der Familienrichtlinie - bis zu dem Punkt, wo sie sich gegen mich wandte. Ich hatte Freunde, aber ich konnte ihnen nie etwas erzählen, was mir wichtig war. Ich hatte Verhältnisse, aber ich hatte nie Beziehungen. Es war nicht gestattet. Alles, was ich hatte, war die Arbeit.«

»Wenn du mir jetzt weinerlich kommst«, sagte Molly bestimmt, »werde ich dir eine runterhauen, und die wird dir wehtun! Ich hab's dir doch gesagt: Nie zurückblicken! Alles, was du dort zu sehen bekommst, sind Fehler, Misserfolge und verpasste Gelegenheiten. Konzentriere dich aufs Hier und Jetzt! Du führst deine Familie, du hast die besten Sachen zum Spielen und du hast mich! Was könnte sich ein sterblicher Mann noch mehr wünschen?«

»Meine Enya-CDs.«

»Die erste Ohrfeige ist unterwegs.«

Wir lachten beide. Ich nahm sie in die Arme und drückte sie fest an mich. Sie schmiegte ihr Gesicht an meine Schulter und fuhr mir mit den Händen über den Rücken. Ich beugte meinen Kopf über ihren und atmete tief den Duft ihres Haares ein. Ich hatte das Gefühl … ewig so bleiben zu können. Aber ich hatte Dinge zu erledigen.

»Meine Welt war früher so unkompliziert«, sagte ich. »Ich wusste, wer ich war und was ich war und was ich mit meinem Leben anfangen sollte.«



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