
Noch nie hatte ich so viele Leute so schnell verschwinden sehen - oder so viele völlig unattraktive Ärsche auf einmal. Ich schaute Molly an, und sie lächelte süß.
»Siehst du - man muss nur wissen, wie man mit den Leuten redet!«
»Von Diplomatie hast du auch noch nichts gehört, stimmt's?«
»Nö. Und, bist du nicht froh?«
»Naja, schon.«
Und das war der Moment, als der Seneschall endlich geruhte aufzutreten. Er hätte eigentlich die Vordertür bewachen müssen. Das war sein Job: Das erste und letzte Gesicht zu sein, das ein Außenstehender jemals zu sehen bekommt, falls er ungeladen durch die Vordertür käme. Der Seneschall ist für die Sicherheit und Familiendisziplin des Herrenhauses verantwortlich, was so viel heißt wie, dass er oft dazu kommt, Leute zu schlagen; und nie ist er glücklicher, als wenn er eine Entschuldigung dafür gefunden hat, jemandem neue Vorschriften zu machen. Er hatte mir das Leben zur Hölle gemacht, als ich ein Kind war, mich für den kleinsten Regelverstoß geschlagen, bis das Blut spritzte, und als ich schließlich ins Herrenhaus zurückkehrte, um die Familie in Ordnung zu bringen, war eine der ersten Dinge, die ich tat, ihm die Scheiße aus dem Leib zu prügeln. Und dann hatte er noch die Frechheit zu sagen, das alles habe er nur getan, um mich abzuhärten und auf die Welt draußen vorzubereiten. Sagte tatsächlich, er sei stolz auf mich, bevor er in Ohnmacht fiel. Das werde ich ihm nie verzeihen!
Der Seneschall war hochgewachsen und breit und hatte Muskeln an Stellen, wo Sie und ich nicht einmal Stellen haben. Und wenn er auch eine Vorliebe für die steife, schwarz-weiße Uniform eines viktorianischen Butlers hatte, ließ sich davon niemand auch nur einen Moment lang zum Narren halten.
