
Dick Francis
Mammon
Kapitel 1
Die fünfte Frau meines Vaters war mir zutiefst unsympathisch, aber für einen Mord hätte es nicht gereicht.
Ich, das Resultat seines zweiten unbesonnenen Galopps vor den Traualtar, war pflichtbewußt zu seinen beiden nächsten Hochzeiten gegangen, als mir mit sechs und mit vierzehn eine neue» Mutter «beschert wurde.
Mit dreißig hatte ich allerdings rebelliert: Keine zehn Pferde hätten mich dazu gebracht, die Vermählung mit der kaltäugigen, glattzüngigen Moira, seiner fünften Auserwählten, mitzufeiern. Moira war der Gegenstand des erbittertsten Streits gewesen, den mein Vater und ich jemals hatten, und die unmittelbare Ursache einer Dürreperiode des Nichtmiteinandersprechens, die drei Jahre anhielt.
Nachdem Moira ermordet worden war, stattete mir die Polizei einen höchst argwöhnischen Besuch ab, und nur rein zufällig konnte ich beweisen, daß ich an einem anderen Ort gewesen war, als ihre habgierige kleine Seele ihren sorgsam gepflegten Körper verlassen hatte. Ich ging nicht zu ihrer Beerdigung, doch da war ich nicht der einzige. Mein Vater ging auch nicht hin.
Einen Monat nach ihrem Tod rief er mich an, und ich hatte seine Stimme so lange nicht mehr gehört, daß sie mir wie die eines Fremden vorkam.
«Ian?«
«Ja«, sagte ich.
«Malcolm.«
«Hallo«, sagte ich.
«Bist du beschäftigt?«
«Ich lese die Goldnotierungen.«
«Nein, verdammt«, sagte er gereizt.»Allgemein — bist du sehr beschäftigt?«
«Allgemein«, sagte ich,»ziemlich.«
Die Zeitung lag auf meinem Schoß, ein leeres Weinglas stand vor mir. Es war später Abend, nach elf, zunehmend kühl. Ich hatte an diesem Tag meinen Job aufgegeben und den Müßiggang übergestreift wie einen behaglichen Mantel.
Er seufzte durch die Leitung.»Ich nehme an, du weißt von Moira?«
