Malcolm und die Vollblutauktionen von Newmarket, das paßte einfach nicht zusammen. Jedenfalls nicht mit dem Malcolm, den ich kannte.

Ich fuhr am nächsten Tag in die abgelegene Stadt in Suffolk, deren Hauptgeschäft der Sport der Könige ist, und in der bunten, zielstrebigen Menschenmenge sah ich meinen Vater barhäuptig vor der Auktionshalle stehen, in einen Katalog vertieft.

Er sah unverändert aus. Grauer Bürstenschnitt, glatter brauner

Vikunjamantel, knielang, anthrazitfarbener Straßenanzug, Seidenkrawatte, blanke schwarze Schuhe; selbstbewußt reihte er sich in seiner städtischen Eleganz in die zwanglosere Eleganz des ländlichen Rahmens ein.

Es war ein sonniger Tag, frisch und klar, der Himmel ein kaltes, wolkenloses Blau. Ich ging in meiner selbstgewählten Arbeitskleidung zu ihm hinüber: lange Reithose, kariertes Wollhemd, olivgrüne Steppjacke, Tweedmütze. Ein äußerlicher Gegensatz, der bis in die Persönlichkeit hineinreichte.

«Guten Tag«, sagte ich neutral.

Er hob die Augen, und sein Blick war so blau wie der Himmel.

«Du bist also gekommen.«

«Ja… schon.«

Er nickte unbestimmt, während er mich musterte.»Du siehst älter aus«, sagte er.

«Drei Jahre.«

«Drei Jahre, und eine krumme Nase«, bemerkte er nüchtern.»Ich nehme an, die hast du dir beim Sturz von einem Pferd gebrochen?«

«Nein… Du hast sie mir gebrochen.«

«So?«Er schien nur leicht überrascht zu sein.»Du hattest es verdient.«

Ich gab keine Antwort. Er zuckte die Achseln.»Möchtest du Kaffee?«

«Okay.«

Wir hatten uns nicht angefaßt, dachte ich. Keine Umarmung, kein Händedruck, kein flüchtiger Klaps auf den Arm. Drei Jahre Schweigen waren nicht ohne weiteres zu überbrücken.

Er brach nicht in Richtung des allgemeinen Erfrischungsraums auf, sondern steuerte einen der nichtöffentlichen Räume an, die Vorzugsgästen vorbehalten waren.



5 из 342