Als sie sich schließlich beruhigte, warf sie sich mit Feuereifer auf die Aufgabe der Heiratsvermittlerin. Sie versuch­te, Harry mit Blair Bainbridge zu verkuppeln, einem göttlich ausse­henden Mann, der auf Harrys Nachbarfarm eingezogen war. Blair befand sich jedoch zur Zeit zu Modeaufnahmen in Afrika. Als Model war er sehr gefragt. Blairs Abwesenheit trieb Fair wieder in Harrys Umfeld - aus dem er sich allerdings nie weit entfernt hatte. Crozet, Virginia, bot seinen Einwohnern das niemals endende Schauspiel von gefundener Liebe, eroberter Liebe, verlorener und wiedergefun­dener Liebe. Das Leben war nie langweilig.

Vielleicht fühlte sich Harry deswegen nicht als Versagerin, auch wenn man ihr auf den Ehemaligentreffen des Smith College Fragen stellte, die für andere möglicherweise peinlich gewesen waren. Für sie war das viel Lärm um nichts. Doch jeden Morgen, wenn sie aus dem Bett sprang, freute sie sich auf den neuen Tag, sie war glücklich mit ihren Freunden und zufrieden mit ihrer Arbeit im Postamt. So klein das Postamt war, alle kamen vorbei, um ihre Post abzuholen und ein Schwätzchen zu halten, und Harry genoß es, im Mittelpunkt des Treibens zu stehen.

Mrs. Murphy und Tee Tucker waren auch dort tätig. Harry konnte es sich nicht vorstellen, acht bis zehn Stunden am Tag ohne ihre Tiere zu verbringen. Dazu waren sie zu spaßig.

Als sie die Railroad Avenue entlangging, sah sie Reverend Herb Jones' Transporter vor der lutherischen Kirche stehen.

»Er hat einen Platten und keinen Ersatzreifen«, sagte sie vor sich hin.

»Die zahlen ihm nicht genug.« stellte Mrs. Murphy altklug fest.

»Woher weißt du das, Klugscheißerin?« wollte Tucker wissen.

»Ich habe meine Quellen.«

»Deine Quellen? Du hast mit Lucy Fur getratscht, und die tut nichts als Hostien fressen.« sagte Tucker hämisch, begeistert, weil nun bewiesen schien, daß Herbies neue Katze das heilige Sakrament schändete.



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