Bolitho kniff die grauen Augen zusammen. Die Sonnenreflexe auf dem Wasser warfen ein Muster aus tanzenden Lichtern an die hohe Bordwand. Er wußte, daß die Hyperion mehr als drei Jahre lang

* siehe Bruderkampf, Ullstein Buch 3462.

ständig im Dienst gewesen war. Soeben kam sie aus Westindien, und die Wogen der Hoffnung auf rasche Abmusterung und wohlverdiente Ruhe für Schiff und Mannschaft gingen hoch.

Aber während die Hyperion majestätisch in friedlichen Geschäften unter der karibischen Sonne gesegelt war und Bolitho in seinem Haus in Falmouth verzweifelt gegen das verzehrende Fieber gekämpft hatte, sammelten sich wiederum die Kriegswolken über Europas Himmel und verdichteten sich. Die blutige Revolution in Frankreich wurde auf der anderen Seite des Kanals zuerst mit nervöser Schadenfreude beobachtet — es war verständlich, daß die Engländer recht zufrieden zusahen, wie ein alter Feind von innen heraus geschwächt wurde, ohne daß es sie etwas kostete. Aber als sich die wilde Wut noch weiter ausbreitete und nach England durchsickerte, daß aus dem Durcheinander von Exekutionskommandos und blutigem Pöbelaufruhr eine neue, sogar noch stärkere Nation hervorging, da fanden sich die Männer, welche die Schrek-ken des Krieges kennengelernt hatten, mit der Unvermeidlichkeit eines neuen Krieges ab.

Bolitho hatte sein Bett verlassen und war mit dem besorgt protestierenden Allday nach London gefahren. Die falsche Lebhaftigkeit dieser Stadt war ihm stets zuwider gewesen, ihre endlosen, schmutzigen Straßen und im Kontrast dazu die Pracht der großen Häuser der Reichen; aber er war entschlossen, notfalls auf den Knien zu bitten um ein neues Schiff. Nach wochenlangem Antichambrieren und fruchtlosen Unterredungen hatte er die Aufgabe bekommen, unter den widerwilligen Bewohnern der Städte am Medway Rekruten für die Schiffe zu werben, die jetzt endlich neu in Dienst gestellt wurden.



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