Vom Standpunkt der Admiralität, die eine erschöpfte Flotte erweitern und neu ausrüsten mußte, war es klug, Bolitho als Rekrutenwerber einzusetzen. Seine erfolgreichen Unternehmungen als junger Fregattenkapitän waren noch in guter Erinnerung, und im Kriegsfalle war er gerade der richtige Kommandant, um Landratten an die Unsicherheit und Härte der See zu gewöhnen. Unglücklicherweise sah Bolitho selbst die Sache weniger enthusiastisch. Irgendwie war es bezeichnend für seinen Charakter, daß er diesen Auftrag als einen Beweis mangelnden Vertrauens seiner Vorgesetzten empfand, beruhend wahrscheinlich auf seiner eben überstande-nen Krankheit. Ein kranker Kapitän konnte eine Gefahr sein, nicht nur für sich selbst und sein Schiff, sondern auch für die lebenswichtige Befehlskette, deren Schwächung Verderben und Niederlage bringen konnte.

Im Januar des nächsten Jahres schwirrten den Engländern die Köpfe bei der Nachricht, daß der König von Frankreich von seinem eigenen Volke hingerichtet worden war; und ehe man den Schock verdaut hatte, erklärte der neue französische Nationalkonvent den Krieg. Es war, als sei die gesamte französische Nation toll geworden und habe das Land aus der Bahn der Vernunft geworfen. Selbst Spanien und Holland, die ehemaligen Verbündeten, hatten ebenfalls Kriegserklärungen empfangen und warteten jetzt wie England auf den ersten wirklichen Zusammenstoß.

Und so hatte die alte Hyperion fast ohne Ruhepause wieder Segel gesetzt. Erst nach Brest, und dann, wie zu erwarten, als Mitglied der Kanalflotte, welche die Blockade aufrechterhielt und die französischen Schiffe abpaßte, die dort unter den Kanonen der Küstenbatterien Schutz suchten.

Bolitho hatte sich weiter mit der Rekrutenanwerbung herumgeplagt. Die Verzweiflung darüber, daß er kein direktes Kommando bekam, trug nur dazu bei, seine Gesundheit aufs neue zu schwächen.



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