
Dick Francis
Nervensache
Kapitel 1
Ich war von meinem Job nie besonders begeistert gewesen, bis zu dem Tag, als ich angeschossen wurde und ihn beinahe verlor, zusammen mit meinem Leben. Aber die Kugel, die mir die Gedärme zerfetzte, war in gewisser Weise der erste Schritt auf dem Weg zur Freiheit, obwohl ich es damals nicht ahnte. Die Kugel traf mich, weil ich unvorsichtig war. Die Unvorsichtigkeit entsprang der Langeweile.
Ich kam im Krankenhaus langsam zu mir, in einem Zimmer erster Klasse, wofür ich später gehörig blechen mußte. Noch bevor ich die Augen öffnete, begann ich zu bedauern, daß ich nicht für ganz Abschied von der Welt genommen hatte. Unter meinem Nabel schien ein Feuer zu lodern.
Mit keineswegs gedämpften Stimmen stritt man sich über meinen Kopf hinweg. Ohne sonderliche Begeisterung versuchte ich auszumachen, worum es ging.
«Können Sie ihm nicht etwas geben, daß er schneller wach wird?«
«Nein.«
«Wir können kaum etwas unternehmen, bis er seine Aussage gemacht hat, das sehen Sie doch ein. Seit der Operation sind jetzt sieben Stunden vergangen. Immerhin — «
«Aber dafür lag er vier Stunden auf dem Operationstisch. Wollen Sie ihm den Rest geben?«
«Doktor…«:
«Tut mir leid, Sie müssen warten.«
Der hält wenigstens zu dir. Sie müssen warten. Wer hat es schon eilig, in die triste Welt zurückzukehren? Warum nicht einen Monat lang schlafen und erst wieder anfangen, wenn das Feuer erloschen ist?
Ich öffnete widerstrebend die Augen.
Es war Nacht. An der Decke glomm eine Lampe. Stimmt, dachte ich. Jones hatte mich am Morgen auf dem Linoleumbelag im Büro verblutend aufgefunden und war zum Telefon gerannt. Seit der ersten barmherzigen Spritze waren also etwa zwölf Stunden vergangen. Reichte ein Vorsprung von vierundzwanzig Stunden für einen von Panik ergriffenen, ungeschickten kleinen Verbrecher, um das Land zu verlassen und alle Spuren zu verwischen?
