
Unter der Anleitung der jungen Frauen machen wir Spiele, wir malen und basteln, wir turnen. Und sobald wir beschäftigt und in unser Tun vertieft sind, ziehen sich die Studentinnen - ohne Wissen unserer Eltern natürlich - in diesen kleinen Bau zurück, der einem griechischen Tempelchen gleicht, um miteinander zu schwatzen und Zigaretten zu rauchen.
An diesem besonderen Tag sind wir Kinder alle mit unseren Dreirädern unterwegs. Und während ich auf meinem fahrbaren Untersatz mit der kleinen Meute zusammen um die Grünanlagen herumkurve, hält einer der Jungen an, ein Junge wie ich, lässt seine Hose herunter und pinkelt ganz offen auf den gepflegten Rasen. Es gibt einen Riesenwirbel, und der Missetäter wird zur Strafe schnurstracks nach Hause gebracht.
Das ist der Moment, wo die Musik einsetzt. Die beiden Studentinnen, die noch da sind, haben keine Ahnung, was wir hören, aber ich möchte den Klängen nachgehen und dränge mit einer für mich so ungewöhnlichen Hartnäckigkeit, dass eine der Studentinnen - eine Italienerin, glaube ich, ihr Englisch ist nicht gut, auch wenn sie ein großes Herz hat - sich bereit erklärt, mit mir zusammen die Musik zu suchen. Und so gelangen wir in das Peabody-Haus, wo wir auf Miss Orr treffen.
Miss Orr spielt nicht, tut auch nicht so, als spielte sie, und weint auch nicht, als die Studentin und ich in ihr Wohnzimmer treten. Sie hat gerade eine Musikstunde gegeben und beendet sie, wie das - so erfahre ich später - ihrer Gewohnheit entspricht, indem sie ihrem Schüler auf ihrer Stereoanlage ein Musikstück vorspielt. Diesmal ist es das Violinkonzert von Brahms.
