
Fidelma bedeutete Taran, mit seiner Übersetzung fortzufahren.
«Dieser Alhfrith hat sich zu einem Anhänger Roms bekehren lassen und viele Mönche aus dem Kloster von Ripon vertrieben, weil sie sich den Lehren und der Liturgie Roms nicht unterwerfen wollten. Offenbar hat einer von Wulfrics Männern unseren Bruder in eine Debatte über die jeweiligen Vorzüge der Lehren Roms und Columbans verwickelt. Aus dem Gespräch wurde ein Streit, der Streit wurde immer hitziger, und schließlich hat sich der Mönch zu unbedachten Worten hinreißen lassen. Diese Worte wurden wohl als beleidigend empfunden.»
Schwester Fidelma starrte den Gefolgsmann des Königs ungläubig an. «Und dafür wurde der Mann hingerichtet? Für ein paar Worte?»
Wulfric strich gelassen über seinen Bart und lachte, als Taran ihm die Frage stellte.
«Dieser Mann hat den Than von Frihop beleidigt. Dafür wurde er hingerichtet. Gemeine Leute dürfen nicht ungestraft einen so edlen Mann beleidigen. Das ist das Gesetz. Und außerdem schreibt das Gesetz vor, daß der Mann von heute an noch einen Mond hier hängen muß.»
Zorn spiegelte sich in der Miene der jungen Ordensschwester. Sie wußte wenig über das sächsische Gesetz, und ihrem Eindruck nach war es in höchstem Maße ungerecht. Allerdings war sie klug genug, ihre Empörung nicht zu zeigen. Sie wandte sich um, schwang sich auf den Rücken ihres Pferdes und sah den Krieger an.
«Höre, Wulfric, ich bin auf dem Weg nach Streo-neshalh, wo ich auch König Oswiu von Northumbrien treffen werde. Ich werde Oswiu wissen lassen, wie Ihr diesen Diener Gottes behandelt habt, einen heiligen Mann, der unter dem besonderen Schutz des christlichen Königs Eures Landes steht.»
Falls diese Worte dazu gedacht gewesen waren, Wulfric einzuschüchtern, hatten sie ihre Wirkung verfehlt.
Der sächsische Krieger warf den Kopf zurück und brach in brüllendes Gelächter aus.
