
Dy Baocias Schar ritt in langer Reihe den Hügel hinunter und durch die Stadt, und schon bald war sie zwischen den rot gedeckten und mit Menschen überfüllten Dächern verschwunden. Dy Ferrej wandte sich um. Müde schritt er zurück durchs Tor und verschwand im Innern der Burg.
Der Frühlingswind zupfte eine Strähne aus Istas fahlbraunem Haar und blies sie ihr übers Gesicht. Sie nahm die Strähne zwischen Daumen und Zeigefinger und steckte sie zurück unter den sorgsam geflochtenen Haarkranz, der so straff saß, dass es ihr an der Kopfhaut zerrte.
In den letzten beiden Wochen war es wärmer geworden, doch der Wetterumschwung kam zu spät für die alte Frau, die von Verletzung und Krankheit ans Bett gefesselt gewesen war. Wäre Istas Mutter noch nicht so alt gewesen, wären die Knochenbrüche vielleicht schneller verheilt, und vielleicht hätte sich die Lungenentzündung dann nicht so tief in ihrer Brust festgesetzt. Wäre sie nicht so gebrechlich gewesen, hätte sie sich bei dem Sturz vom Pferd vielleicht gar nichts gebrochen. Und wäre sie nicht so starrsinnig gewesen, wäre sie in ihrem Alter gar nicht erst aufs Pferd gestiegen … Ista sah, dass sie sich die Finger blutig geschürft hatte. Rasch verbarg sie die Hand unterm Rock.
Während der Trauerfeier hatten die Götter Hinweise gegeben, dass die Seele der alten Dame von der Sommermutter aufgenommen worden war, wie es dem schicklichen Lauf der Dinge entsprach, und wie man es nicht anders erwartet hatte. Die alte Herzogin setzte ihre Vorstellungen von Sitte und Anstand sogar den Göttern gegenüber durch. Ista stellte sich vor, wie ihre Mutter den Himmel auf Vordermann brachte, und ein trauriges Lächeln legte sich auf ihre Züge.
