Ista empfand eine gewisse Bewunderung für diese Tatkraft. »Wie lange bist du nun schon für die Kanzlei unterwegs?«

»Seit drei Jahren. Seit ich fünfzehn geworden bin.«

Was hatte Ista mit fünfzehn gemacht? Vermutlich hatte sie sich auf ihre Rolle als Ehefrau eines bedeutenden Fürsten vorbereitet. Als sie so alt war wie dieses Mädchen jetzt, war König Ias auf sie aufmerksam geworden, und damit hatten ihre Vorbereitungen sich in einem Maße ausgezahlt, wie ihre Familie es sich in den kühnsten Träumen nicht hätte vorstellen können. Nur war Ista von diesen Träumen in einen einzigen langen Albtraum geraten, als Ias’ uralter Fluch auch auf sie fiel. Ein Fluch, der inzwischen gebrochen war, dank der Gnade der Götter und der Taten von Lord dy Cazaril — gebrochen seit drei Jahren. An diesem Tag hatte ihr Geist sich aus dem erstickenden Nebel befreien können, in den der Fluch sie gehüllt hatte. Und die Mattigkeit, die ihr Leben umwob, und die Ausweglosigkeit ihres Daseins waren seither nur noch das Ergebnis langer Gewohnheit.

»Warum hat deine Familie dich so früh gehen lassen?«

Belustigung huschte über das Gesicht des Mädchens und erhellte ihre Züge wie Sonnenstrahlen, die durch grünes Blätterwerk stachen. »Wenn ich so darüber nachdenke … Ich fürchte beinahe, ich habe vergessen, vorher zu fragen.«

»Und der Postmeister hat dich einfach so aufgenommen, ohne die Erlaubnis deines Vaters?«

»Ich nehme an, auch er hat zu fragen vergessen. Damals hat er verzweifelt nach neuen Reitern gesucht. Ist schon erstaunlich, wie schnell die Regeln sich ändern, wenn man in einer Zwangslage steckt. Aber ich habe auch nicht erwartet, dass mein Vater oder meine Brüder den ganzen Weg hinter mir herlaufen und mich zurückschleifen. Schließlich hat er vier weitere Töchter, für deren Aussteuer er sorgen muss.«

»Hast du dich noch am selben Tag davongemacht?«, fragte Ista verblüfft.



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