Es war auch die gewohnte Gesellschaft zugegen: Lady dy Hueltar, eine ältliche Verwandte von Istas Mutter und deren langjährige Gesellschafterin; denn Ista selbst; ihre ranghöchsten Zofen sowie der ernste dy Ferrej. Nach stillschweigender Übereinkunft blieb der Stuhl der verstorbenen Herzogin frei. Ista hatte den Platz am Kopf der Tafel nicht beansprucht, und niemand hatte sie dazu gedrängt — vielleicht, weil man es als Ausdruck ihrer Trauer missdeutete.

Dy Ferrej traf ein und brachte Ferda und Foix mit, die beide überaus vornehm und sehr jung aussahen. Hinter ihnen kam die Botin herein und verbeugte sich höflich vor allen Anwesenden. Als sie der Königin allein gegenübergestanden hatte, war sie tapfer und entschlossen aufgetreten, doch der Speisesaal verströmte eine Atmosphäre gesetzten Alters, die selbst einem erfahrenen Veteranen Ehrfurcht eingeflößt hätte. Liss setzte sich steif auf ihren Stuhl und schien sich noch kleiner machen zu wollen, obwohl sie die beiden Brüder mit Interesse musterte. Der Geruch nach Pferd haftete nun nicht mehr so penetrant an ihr, obwohl Lady dy Hueltar immer noch die Nase rümpfte. Doch am Tisch gegenüber von Ista blieb noch immer ein Gedeck unbenutzt — und bestimmt nicht für die verstorbene Herzogin.

»Erwarten wir noch einen Gast?«, wollte Ista von dy Ferrej wissen.

Dieser räusperte sich und nickte der alten Lady dy Hueltar zu.

Auf deren runzligen Antlitz erschien ein Lächeln. »Ich habe beim Tempel in Valenda nach einer geeigneten Priesterin fragen lassen, die Euch auf der Fahrt als geistlicher Beistand zur Seite stehen kann, Majestät. Wenn wir schon nicht nach Cardegoss schicken und uns von dort einen Geistlichen kommen lassen, der mit den höfischen Gepflogenheiten vertraut ist, sollten wir zumindest nach einem geeigneten Ersatz Ausschau halten.



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