
Die Geistliche Tovia war eine Busenfreundin der verstorbenen Herzogin gewesen und war auch mit Lady dy Hueltar sehr gut bekannt; Ista konnte sich die drei gut auf einem gemütlichen Ausflug an einem sonnigen Frühlingstag vorstellen. Bei den Göttern, nahm Lady dy Hueltar etwa an, bei dieser Fahrt dabei zu sein? Ista unterdrückte das Bedürfnis, würdelos aufzuschreien — wie Liss bei dem Gedanken an das Garn.
»Ich wusste, Ihr würdet Euch freuen«, fuhr Lady dy Hueltar fort. »Und ich dachte mir, Ihr wolltet vielleicht schon während des Essens Eure Reiseroute mit ihr durchgehen.« Sie runzelte die Stirn. »Es sieht Tovia gar nicht ähnlich, sich zu verspäten.«
Ihre Stirn glättete sich wieder, als ein Dienstbote hereinkam und verkündete: »Der Gast aus dem Tempel ist eingetroffen, Herrin.«
»Ausgezeichnet. Führt sie sogleich herein.«
Der Diener öffnete den Mund, als wollte er noch etwas anmerken. Dann aber verbeugte er sich und verschwand.
Als die Tür erneut aufschwang, trat eine atemlose Gestalt hindurch, die unerwartet vertraut wirkte: Der übergewichtige junge Geistliche des Bastards, den Ista vor ungefähr zwei Wochen beim Pilgerzug gesehen hatte. Heute waren seine weißen Roben nur um Weniges sauberer — zwar frei von Straßenstaub, an Saum und Vorderseite aber mit Schmutzrändern gezeichnet. Abrupt blieb er stehen, als ihm auffiel, dass alle Anwesenden ihn anstarrten.
Sein Lächeln wurde unsicher. »Guten Abend, edle Damen, edle Herren. Ich wurde aufgefordert, der Lady dy Hueltar meine Aufwartung zu machen. Es ging um eine Pilgerreise, für die noch ein Geistlicher gesucht wurde …«
