Der Geistliche nickte in offensichtlicher Freude. »Das höre ich gern.«

Ein Anflug von Übermut bewog Ista, die Frage auszusprechen, die ganz gewiss keiner der anderen Anwesenden zu stellen wagte: »Seid Ihr ein Sohn der Lady dy Cabon?«

Der Geistliche zwinkerte ihr über das Fleischstück auf seiner Gabel hinweg zu. »Leider nein. Doch mein Vater fand trotzdem ein wenig Gefallen an mir und hinterlegte eine Stiftung bei der Kirche, als es an der Zeit für mich war, zur Schule zu gehen. Dafür war ich ihm später sehr dankbar. Meine Berufung für das geistliche Leben kam nicht eben mit der Heftigkeit eines Blitzschlags über mich. Sie entwickelte sich langsam, so wie ein Baum wächst.« Dy Cabons rundes Gesicht und seine geistlichen Gewänder ließen ihn älter aussehen, als er war. Er konnte kaum über dreißig sein; vielleicht war er sogar bedeutend jünger.

Zum ersten Mal seit langem drehten die Gespräche bei Tisch sich nicht nur um die verschiedensten Gebrechen alter Leute, um Schmerzen und Zipperlein und Verdauungsbeschwerden. Stattdessen ging es um die neuesten Entwicklungen in Chalion-Ibra. Die dy-Gura-Brüder wussten einiges über den erfolgreichen Feldzug des letzten Jahres zu berichten, in dessen Verlauf Marschall dy Palliar die Bergfestung Gotorget zurückerobert hatte, eine Schlüsselstellung an der Grenze zu den feindseligen Fürstentümern der Roknari im Norden, und über die hilfreiche Anwesenheit des jungen Prinzgemahls Bergon auf dem dortigen Schlachtfeld.

»Während des letzten Angriffs auf die Festung bekam Foix einen üblen Schlag mit einem Kriegshammer ab«, erklärte Ferda. »Den halben Winter hat er dann im Bett verbracht, anfangs mit gebrochenen Rippen, zu denen später eine Lungenentzündung kam. Als er wieder auf den Beinen war, hat Kanzler dy Cazaril ihn als Kanzleigehilfen beschäftigt, damit die Knochen in Ruhe zusammenwachsen konnten. Unser Vetter dy Palliar war der Ansicht, ein kleiner Ausflug zu Pferde würde ihm helfen, seine Form wieder zu finden.«



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