
Beim Aufstehen, als das frühe Morgenlicht durch die halb geöffneten Fensterflügel fiel, gab es einen kurzen, peinlichen Augenblick. Aus tief verwurzelter Gewohnheit stand Ista eine Zeit lang still neben dem Bett, wie eine Puppe, und wartete darauf, dass man sie ankleidete. Schließlich aber wurde ihr bewusst, dass ihr neues Kammermädchen genauere Anweisungen benötigte. Unter diesen Umständen war es einfacher für sie, die Kleidungsstücke selbst herauszusuchen und anzulegen und nur noch bei einigen Verschlüssen Liss’ Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Istas Frisur war ein größeres Problem. »Ich habe keine Ahnung, wie man vornehmen Damen das Haar macht«, gestand Liss, nachdem Ista ihr die Bürste in die Hand gedrückt und sich auf eine niedrige Bank gesetzt hatte. Skeptisch musterte sie Istas dichte, fahlbraune Mähne, die bis zur Taille reichte. Bevor Ista zu Bett gegangen war, hatte sie die kunstvolle Flechtfrisur gelöst, die ihre frühere Zofe ihr gemacht hatte — vielleicht ein wenig voreilig, denn über Nacht hatte das Haar wieder zu seinen natürlichen Wellen und Locken zurückgefunden und schlängelte sich nun in alle Richtungen.
»Du richtest dir selbst das Haar, nehme ich an«, sagte Ista. »Wie machst du das?«
»Manchmal binde ich’s zum Zopf.«
»Und sonst?«
