
Sie erreichten das Gasthaus in Palma gerade noch bei Sonnenuntergang. Ista ließ sich aus dem Sattel helfen. Sie spürte, dass sie schon sehr lange keinen ganzen Tag mehr auf dem Rücken eines Pferdes verbracht hatte. Liss war sichtlich gelangweilt vom ruhigen Tempo dieser Pilgerfahrt. Sie sprang von ihrem Reittier, als hätte sie sich den ganzen Nachmittag lang ausgeruht. Foix und sein Bruder hatten offenbar schon früher auf der Reise sämtliche Nachwirkungen ihrer Verletzungen hinter sich gelassen. Und selbst dy Cabons watschelnde Gangart verriet keine Verspannungen. Als der Geistliche Ista helfend den Arm darbot, nahm sie dankbar an.
Dy Cabon hatte einen der Männer vorausreiten und für Unterkunft und Essen sorgen lassen — zum Glück, wie sich herausstellte, denn das Gasthaus war sehr klein. Als sie eintrafen, wurde gerade eine weitere Reisegruppe abgewiesen. Das Gebäude war einst ein kleines, befestigtes Bauernhaus gewesen, das um einen zusätzlichen Flügel erweitert worden war. Die Brüder dy Gura und der Geistliche teilten sich ein Gemach, Ista und Liss ein weiteres, und die Wachen mussten mit Pritschen auf dem Heuboden vorlieb nehmen. Doch in einer milden Nacht wie dieser bereitete das keine Unannehmlichkeiten.
Der Gastwirt und seine Frau hatten zwei Tische unmittelbar neben der heiligen Quelle aufstellen lassen, in einem kleinen Wäldchen hinter dem Haus, und die Bäume waren mit Laternen behangen. Das dichte Moos und die Farne, die Glockenblumen und das Blutkraut mit seinen sternförmigen weißen Blüten, die verflochtenen Zweige und das sanfte Glucksen des Wassers, das über die glatten Steine floss — dies alles bildete den wundervollsten Speisesaal, den Ista seit vielen Jahren betreten hatte. Sie und ihre Gefährten wuschen sich die Hände in frischem Quellwasser, das in einer Kupferschale gebracht und vom Geistlichen gesegnet wurde, und das keiner Parfümierung bedurfte. Die Frau des Gastwirts war bekannt für ihre wohlgefüllte Speisekammer.
