
»Ihre Cousinen in Dunstable?«
»Oder meinen Onkel in Bedford. Vielleicht sogar meinen Onkel in Nottingham. Ich besuche einen, zwei oder sogar alle drei, bevor ich hierbleibe und mir die Pest hole.«
»Meint Ihr vielleicht mich damit?«
»Ich bekomme Fieber, wenn Ihr in meiner Nähe seid, Nick.«
Anne Hendrik war eine der ungewöhnlicheren Bewohnerinnen von Bankside. In einer Gegend, die für ihre Bordelle, Spielhöllen, Bierschwemmen und ihr billiges Nachtleben berühmt war, besaß sie ein achtbares Haus und ein erfolgreiches Geschäft. Sie war geborene Engländerin, Witwe von Jakob Hendrik, einem gewissenhaften Holländer, der als gelernter Hutmacher nach London gekommen war, nur, um schon bald zu entdecken, daß die städtischen Zünfte alles dransetzten, um ihn und seine Landsleute von ihrer eifersüchtigen Vereinigung fernzuhalten. So war er gezwungen, sich mit seinem Geschäft außerhalb der Stadtgrenzen niederzulassen, machte Southwark zu seinem Zuhause und Anne zu seiner Frau.
In ihrer fünzehnjährigen, glücklichen Ehe hatten sie keine Kinder bekommen. Anne erbte ein schönes Haus, ein florierendes Geschäft und die Überzeugung ihres Gatten, daß Arbeit an sich Wert und Würde verlieh. Außerdem erbte sie Nicholas Bracewell.
»Welche Ortschaften werdet Ihr besuchen?« fragte sie.
»Die Einzelheiten müssen noch entschieden werden.«
»In welche Richtung reist Ihr?«
»Nach Norden, Anne.«
»Vielleicht kommt Ihr dann ja auch einmal nach Dunstable?«
»Oder nach Bedford, oder nach Nottingham. Oder wo Ihr sonst eventuell sein könntet. Wenn ich im selben Bezirk bin wie Ihr, werde ich eine Möglichkeit finden, Euch zu treffen.«
Anne küßte ihn zärtlich auf die Wange und kuschelte sich an ihn. Während der Zeit, in der er in ihrem Haus gewohnt hatte, war Nicholas mehr als ein Freund geworden. Nur gelegentlich teilten sie das Bett miteinander, doch waren ihre Leben dennoch eng miteinander verknüpft.
