
»Werdet Ihr mich deshalb auch nicht ausschimpfen?«
»Euer Wohlergehen muß wichtiger sein als meine Eitelkeit.«
»Das erfreut mich mehr, als ich Euch sagen kann.«
Das war der rechte Augenblick, sich den Preis zu sichern. Firethorn griff unter das Kissen, nahm den Ring, den er dort vorsorglich versteckt hatte, und schob ihn ihr symbolisch über den dritten Finger ihrer linken Hand. Der Rubin verzauberte sie.
»Ist der für mich?«
»Für wen wohl sonst? Trag ihn, bis ich zurückkehre.«
»Nichts kann mich dazu bringen, ihn abzulegen.«
»Er ist ein Unterpfand meiner Bewunderung«, sagte er und schob ihre Schenkel mit sanfter Gewalt auseinander. »Laß ihn ein immerwährendes Erinnerungsstück der Liebe sein, die ich für dich empfinde. Ein wertvolles Juwel, zum Zeichen, daß du der größte Schatz meines Lebens bist. Ein immerwährender Tribut der Schönsten ihres Geschlechts.« Sie gab ihm einen Kuß, der ihn auflodern und allen gesunden Menschenverstand vergessen ließ. Seine Stimme war von verheerender Lässigkeit. »Und wenn das Schlimmste passiert, dann verkaufst du den Ring eben auch noch.«
Unter ihm explodierte ein Vulkan.
Das Bett knarrte heftig, aber nicht aus Wollust.
*
Bankside verabschiedete die scheidenden Thespisjünger auf liebenswertere Weise. Nicholas Bracewell setzte nächtliche Freuden nicht so leichtfertig aufs Spiel. Weil solche Ereignisse selten in seinem Leben waren, hatte er sich dazu erzogen, sie einfach zu genießen und jeden Gedanken an die Welt um ihn herum zu verbannen. Erst danach - als sie beide in träger Haltung Seite bei Seite auf dem Bett lagen - wandte er seine Gedanken der rauhen Wirklichkeit zu.
»Werdet Ihr in London bleiben, Anne?«
»Wenn die Pest nicht schlimmer wird.«
»Darauf deutet aber alles hin.«
»In diesem Fall besuche ich Verwandte auf dem Lande.«
