
Doch der stumme Feind war der schlimmste.
Er kam von nirgendwoher und bewegte sich lässig unter seinen Opfern. Er hatte keinen Respekt vor Alter, Rang oder Geschlecht und traf seine Opfer mit stolzer Unparteilichkeit, wie eine infizierte Hure, die ihre Krankheit in heißen Umarmungen weitergibt. Nichts konnte seiner Macht widerstehen, und niemand konnte das Geheimnis dieser Macht erahnen. Er konnte Berge überwinden, Ozeane durchmessen, Mauern durchdringen und die stärksten Festungen zu Boden zwingen. Sein verderblicher Einfluß war universal. Jeder Mann, jede Frau und jedes Kind auf der ganzen Erde war seiner Laune ausgeliefert.
Das war der ultimative Feind. Der Untergang in Person.
Lawrence Firethorn sprach im Namen seines ganzen Berufsstandes.
»Die Pest über diese Pest!«
»Sie wird uns unseres Lebensunterhaltes berauben«, sagte Gill.
»Wenn nicht gar unseres Lebens«, fügte Hoode hinzu.
»Gottes Blut über uns!« sagte Firethorn und schlug mit der Faust auf den Tisch. »Welch armseligem Beruf gehören wir doch an. An jeder Ecke warten Meuchelmörder auf uns, und wenn wir ihren Dolchen entweichen können, dann kommt hier die schärfste Axt der Christenheit, um uns den Kopf abzuhacken.«
»Es ist ein Gericht«, sagte Hoode niedergedrückt.
»Vielleicht geht das Unglück ja noch an uns vorüber.« Gill versuchte, halbherzigen Optimismus zu demonstrieren. »Die Fälle von Pesttod haben noch nicht die notwendige Höhe pro Woche erreicht.«
»Aber sie werden es, Barnaby«, sagte Firethorn grimmig. »Das heiße Wetter wird schon bald dazu beitragen, die Stadt zu entvölkern. Wir müssen dem Unglück ins Auge blicken, meine Herren, und alle falsche Hoffnung fahren lassen. Das ist der einzig vernünftige Weg. Diese letzte Besichtigung wird dazu führen, daß jedes Theater in London schließen muß und wir unsere Arbeit für den Sommer einpacken können. Es gibt nur ein einziges Gegenmittel.«
