
Die beiden Freunde wechselten einen Blick. Wenigstens diese letzte Entwürdigung hatten sie Gabriel ersparen können. Er hatte in seinem Leben schon wenig genug besessen, er verdiente es nicht, daß man ihm das im Tode auch noch abnahm. Sie gingen zu der Grube zurück und sahen, daß die Leichen darin aufgehäuft wurden, bevor man schaufelweise Kalk über sie warf. Der Gestank war überwältigend, doch sie wandten sich nicht ab. Als sie in die offene Grabstätte blickten, sahen sie Dutzende der gequälten Körper kreuz und quer übereinanderliegen. Es war unmöglich, sie jetzt noch zu unterscheiden.
Nicholas warf den Ohrring in die offene Grube und sandte ein stilles Gebet zum Himmel. Edmund Hoode war von der brutalen Anonymität dieser Massenbeerdigung entsetzt.
»Wer davon ist Gabriel?« fragte er.
»Das weiß nur Gott allein.«
Sie blieben noch, bis die Arbeiter den schlimmen Anblick durch eine Erdschicht verbargen. Alles war so zweckmäßig und unpersönlich, beide waren tief erschüttert. Als sie sich endlich umwandten und zurückgingen, sprach keiner von ihnen ein Wort. Hoode unterbrach schließlich das lastende Schweigen.
»Was ist das doch für eine elende Krankheit!«
»Eine teuflische Seuche«, stimmte Nicholas zu.
»Ich rede nicht von der Pest.«
»Wovon denn dann?«
»Von dieser anderen tödlichen Krankheit. Sie hat Gabriel Hawkes niedergestreckt und wird auch uns niederstrecken, wenn die Zeit gekommen ist.«
»Was sagt Ihr da?«
»Ich rede vom Theater, Nick. Das Fieber im Blut, das jeden von uns dem Wahnsinn und unserem Grab nähertreibt.« Hoode lachte bitter auf. »Wer außer einem kranken Mann würde sich diesen Beruf aussuchen? Wir beide sind über jede Heilung hinaus infiziert. Wir haben den Bazillus falscher Hoffnungen und leeren Ruhms gefangen. Das Theater bringt uns noch alle um.«
