
Der Mann zog sich mit entschuldigendem Wimmern zurück. »Laßt mich in Ruhe, Ihr guten Herren. Ich tue nichts Böses.«
»Leichenfledderei ist eine Sünde und ein Verbrechen«, sagte Nicholas. »Ihr habt die Leiche unseres Freundes ausgeplündert.«
»Ihn stört das nicht mehr.«
»Aber uns.«
»Behandelt mich gerecht«, sagte der Mann und hockte sich auf den Boden. »Ich nehme nur von denen, die nichts mehr brauchen. Alles würde nur in einer Grube voller Lehm landen, wozu sollte das gut sein. Es ist besser, wenn sich die Lebenden damit helfen, als wenn es mit den Leichen in der Grube liegt.«
»Ihr seid ein widerlicher Bursche«, sagte Hoode.
»Die Not zwingt mich dazu, Sir.« Er klang jetzt fast munter. »Die Pest bedeutet für mich Essen und Trinken. Das ist die einzige Möglichkeit, wie wir armen Leute mal für einen Tag reich sein können. Wir leben von den Verstorbenen. Das ist unser Gewinn. Wenn sie nackt sind, können wir uns bekleiden. Wenn sie hungrig sind, können wir essen. Ihre Krankheit sorgt für unsere Gesundheit.«
»Gebt mir zurück, was Ihr ihm weggenommen habt«, verlangte Nicholas.
»Das gehört mir.«
»Den größten Teil könnt ihr behalten. Ich will nur das, was Ihr von der letzten Leiche weggenommen habt. Das war ein guter Freund von uns.«
»Aber nicht von mir«, sagte der Mann schnippisch. »An ihm war überhaupt nichts, was ich hätte nehmen können. Wirklich eine armselige Leiche!«
Nicholas machte Schluß mit weiteren Diskussionen. Er packte den Mann an seinem Bart und riß ihn heftig daran hin und her, bis die Kreatur um Gnade bat.
»Los jetzt, Sir. Gebt mir, was Ihr weggenommen habt.«
Der Mann spuckte wütend aus und öffnete langsam seine geballte linke Hand. Da lag der winzige, juwelenbesetzte Ohrring, den Gabriel Hawkes zu tragen pflegte. Er blitzte in der schmutzigen Hand des Diebes. Nicholas nahm den Ohrring und stand auf, um ihn sich genauer anzusehen. Weder er noch Edmund Hoode rührten sich, als der Mann den Rest seiner Beute ergriff und sich davonmachte.
