Klein, mager und allwöchentlich kahler werdend, hatte Marwood eine ungute Beziehung zu Westfield's Men, deren Kontraktverlängerung er regelmäßig als eine Folter betrachtete. Er empfand nicht das Geringste für das Drama an sich, hielt sogar die immer wieder erfolgende Invasion von Schauspielern und Theaterstücken für etwas so Entsetzliches, daß sein nervöser Gesichtstick nicht mehr zur Ruhe kam. Westfield's Men waren eine Gefahr für Haus und Hof, für seinen guten Ruf, für seine weiblichen Dienstboten und für seinen Verstand. Ohne sie ging es ihm bestimmt besser. Doch jetzt, als sie gingen und seinen Gasthof gegen die Landstraße eintauschten, jetzt, als sie seine Kneipe nicht fast jeden Nachmittag mit durstigen Zuschauern füllten, jetzt, als er vor seinem inneren Auge leere Schankräume, unverkauftes Bier und schwindende Gewinne sah - jetzt wurde ihm klar, daß sie in Wirklichkeit die Grundlage eines Lebensunterhalts gewesen waren.

»Verlaßt mich nicht«, sagte er wehleidig.

»Wir kommen ja wieder zurück, Master Marwood«, versprach Nicholas.

»Man wird die Gruppe sehr vermissen.«

»Wir gehen ja nicht freiwillig fort.«

»Diese Seuche ist wie ein Fluch auf uns!«

»Vielleicht hat sie aber auch etwas Gutes.«

Ein Gutes war es, dem trübseligen Wirt zu entkommen und seine endlose Litanei von Beschwerden nicht mehr hören zu müssen. Nicholas hatte nicht lange gebraucht, um diesen guten Aspekt zu entdecken. Er war derjenige, der am meisten mit Alexander Marwood zu verhandeln hatte und folglich auch am meisten unter seiner ewigen Melancholie litt. Das war eben eine der Pflichten, die Firethorn ihm listig zugeschoben hatte.

Der Erste Schauspieler stand auf und hob die Hand. Es wurde still. Er wartete eine volle Minute.

»Meine Herren«, begann er, »dies ist ein besonders wichtiger Tag in der Geschichte unserer Theatergesellschaft. Nachdem wir London bezwungen haben und uns die Stadt zu Füßen liegt, begeben wir uns jetzt auf eine triumphale Reise durch das ganze Königreich, um unsere Kunst noch weiter zu verbreiten. Westfield's Men haben eine heilige Aufgabe.«



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