
»Da gibt es Möglichkeiten, diesem Problem aus dem Wege zu gehen.«
»Tatsächlich?«
»Ja, und ich vermute, daß Walsingham der Mann war, der diese Möglichkeit herausfand. Er überredete die Königin, sich an der Sache zu beteiligen. Als Gegenleistung für den Erhalt eines Teils der Beute stellte uns Ihre Majestät Kaperbriefe aus.«
»Kaperbriefe?«
»Die verwandelten uns von Piraten in Freibeuter.«
»Und das hat unsere geliebte Königin tatsächlich getan?«
»Mit stillschweigender Einwilligung von Walsingham. Er drängte sie, Drake und seinesgleichen zu ihren gesetzlosen Taten zu ermutigen. Wenn sie spanische Schiffe überfielen, lenkten sie Geld in die Schatullen des Schatzkanzlers und zwickten den römischen Katholizismus in die Nase.«
Richard Honeydew blieb die Luft weg, als er versuchte, das alles zu verdauen. Er war zutiefst schockiert über die Tatsache, daß ein großer Nationalheld irgendwann einmal in Piraterie verwickelt gewesen war, aber er zweifelte nicht an Nicholas' Worten. Auch der religiöse Aspekt brachte ihn ganz durcheinander.
»Warum wollen die Katholiken denn die Königin umbringen?«
»Sie ist das Symbol unserer protestantischen Nation.«
»Ist es denn solch ein Verbrechen, Rom zu gehorchen?«
»Ja, mein Junge«, sagte Nicholas. »Die Zeiten haben sich geändert. Mein Vater wurde noch in der alten Religion großgezogen, doch unter König Heinrich wurde er zu einem Protestanten gemacht, und das ganze Land ebenfalls. Die meisten Leute würden es nicht wagen, an die Dinge zu glauben, an die mein Vater zu seiner Zeit geglaubt hat. Sie haben Angst vor Walsingham.«
»Ich auch«, sagte der Junge.
»Was auch immer passiert, das Leben der Königin muß geschützt werden.«
»Auf jede nur erdenkliche Weise.«
»Deshalb brauchen wir auch so viele Spione.«
Richard Honeydew dachte an den Schädel auf dem Spieß. »Ich bin jedenfalls froh, daß ich nicht katholisch bin«, sagte er.
