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Das Münster von York stach mit seinen drei großen Türmen in den Himmel und warf einen langen Schatten der Frömmigkeit über die Häuser und Läden, die sich dicht um sein Fundament drängten. Es war die schönste Kathedrale in ganz England und zugleich das größte mittelalterliche Gebäude im gesamten Königreich. Die Arbeit daran hatte vor langer Zeit, im Jahre 1220, begonnen und zog sich über ein halbes Jahrhundert hin. Das Ergebnis war tatsächlich atemberaubend, ein gotisches Meisterwerk, welches das gesamte Spektrum architektonischer Stile darstellte, ein würdiges Denkmal für die Liebe und Verehrung zahlreicher Generationen von Christen, die an dem Bauwerk mitgewirkt hatten. Besucher, die sich York näherten, konnten die Kathedrale schon viele Meilen vorher sehen, wie sie sich majestätisch über die Stadt erhob, wie ein Lichtstrahl inmitten weltlicher Finsternis.
Sir Clarence Marmion hatte für all das nicht einmal einen flüchtigen Blick übrig, als er mit seinem Pferd durch Botham Bar in die Stadt hineinritt. Er war ein großer, distinguierter, leichenblasser Mann in den Fünfzigern, mit jener herrschaftlichen Haltung und einem teuren Aufzug, die die Leute dazu veranlaßte, voller Ehrerbietung den Hut zu lüften, wenn er an ihnen vorbeiritt. Als er Petergate hinter sich gelassen hatte, bog er in The Shambles ein, deren gewundene Enge er zügig durchmaß, wobei er unter vorstehenden Dächern den Kopf beugte, mit den Schultern die Hauswände berührte und sich mit seinem Pferd vorsichtig einen Pfad durch die Menschenmenge bahnte. Hoch über ihm vermischte sich das Gebimmel der Glocken mit den geschäftigen Geräuschen der Arbeitswelt. Irritiert schnalzte er mit der Zunge.
Sein Pferd trug ihn jetzt am linken Ufer des Flusses entlang, bis er ihn bei der Ouse Bridge überqueren konnte. Als er auf Micklegate zuhielt, strömten die Menschen auf dem Weg zum Markt in die Stadt. Er bog in einen Torweg ein und befand sich auf einem gepflasterten Innenhof. Ein Stallknecht rannte herbei, um sein Pferd zu halten, während er abstieg; als Dank erhielt er nur ein mürrisches Grunzen. Er hatte auch nichts anderes erwartet. Sir Clarence war kein zufälliger Besucher in diesem Gasthaus. Es gehörte seiner Familie bereits seit Jahrhunderten.
