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Die »Trueno« stürmte nach Süden, immer hinter den beiden Schiffen her, die ihre Flagge nicht zeigen wollten.

Marina stand auf der Kommandobrücke. Ihr Haar flatterte im Wind. Ihr Gesicht war mit starrem Ausdruck auf die Fliehenden gerichtet. Sie wollte kämpfen.

Die »Trueno« hatte alle Segel gesetzt. Aber die Schiffe da vorn schienen leicht wie Papier zu sein. Die »Trueno« konnte keinen Meter aufholen. Erst in der Nacht gelang es ihr, auf Schußweite heranzukommen.

Die Kanonen brüllten. Aber von drüben blieb die Antwort nicht aus. Es mußten ganz moderne Schiffe sein, denn sie feuerten, ohne sich auf Breitseite zu legen.

Und das schlimmste war, die Reichweite ihrer Rohre war größer. Trotz ihrer Überlegenheit flohen sie weiter. Das stachelte den Zorn und den Ehrgeiz der andalusischen Gräfin an, stimmte aber Senor Virgen nachdenklich. Er tat zwar so, als hole er mit seinen Manövrierbefehlen das Beste aus der »Trueno« heraus, steuerte aber so, daß sich die Distanz vergrößerte. In diesem Augenblick schlugen zwei Kugeln auf dem Deck der »Trueno« ein und rissen einige Segel herunter. Virgen hatte genug.

»Wir schaffen es nicht, Senorita Capitan«, rief er ihr zu. »Wir können nicht schnell genug manövrieren. Unsere Ladung hindert uns.« Marina antwortete nicht.

Die beiden flaggenlosen Schiffe vergrößerten ihren Abstand so weit, daß auch ihre Kanonen die »Trueno« nicht mehr erreichen konnten.

Virgen atmete auf. Und die Mannschaft war nicht böse über die mißglückte Jagd.

Als es tagte, waren von den Gegnern gerade noch die Masten zu sehen. Unerreichbar waren sie jetzt. Nach einer weiteren Stunde verschwanden sie gänzlich am Horizont.

Marina stieg mit schweren Schritten in ihre Kajüte hinunter und brütete stundenlang vor sich hin.

War das Glück von ihr gewichen? Sie holte Wein herbei und begann zu trinken.



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