
Nach Stunden klopfte jemand an die Tür. Sie antwortete nicht. Aber Senor Virgen nahm sich die Freiheit, unaufgefordert einzutreten.
Marina hob den schönen Kopf. Ihre Augen waren feucht.
»Ah, Virgen«, meinte sie, »ich mag nicht mehr. Befehligt Ihr das Schiff. Ich habe keine Lust mehr, habe dieses Leben satt. Laßt mich jetzt allein.«
Virgen blickte sie lange an. Was war aus dieser einstigen Teufelin geworden! War ihre Kraft, war ihre Vitalität an der unerfüllten Liebe zu El Silbador zerbrochen? Sah die Strafe des Schicksals so aus? Er zog sich leise zurück.
Draußen gab er mit Ruhe seine Befehle. Das Schiff wendete und kreuzte gegen den Wind. Fünf Tage waren verloren.
Virgen dachte daran, daß man unter Kontrakt fuhr und daß es einen schlechten Eindruck in Kalkutta machen würde, wenn man Tage später als die übrige Flottille eintraf. Aber mit den Zinnbarren an Bord war an der Geschwindigkeit nicht viel zu ändern. Sollte man das Zinn einfach irgendwo im nächsten Hafen verkaufen? Die Leute von der Kompanie würden zwar dumm dreinschauen, wenn man leer ankam. Aber schließlich fuhr man auf eigene Rechnung, und der Gesamteindruck blieb gewahrt. Er, Virgen, würde schon eine glaubwürdige Ausrede finden.
Und den Mast wollte er auch reparieren lassen. Er rechnete den Stand des Schiffes aus und stellte anhand der Karte fest, daß sie sich gar nicht weit von Pasangan auf Sumatra befanden. Pasangan war eine kleine Hafenstadt und gehörte zu Niederländisch-Ostindien. Es dauerte nur einen Tag, bis die »Trueno« einlief. Virgen ging von Bord und verhandelte mit dem einzigen Reeder über die Reparatur.
»Wird immerhin einen Tag dauern. Habt Ihr Ladung an Bord?« »Yes«, erwiderte Virgen auf englisch; denn der Holländer verstand kein Spanisch. »Was für eine Ladung? Vielleicht kann ich sie Euch abkaufen?« »Zinn in Barren und Pfeffer.«
»Ah«, sagte der Holländer, »das paßt gut. Gestern war ein Türke hier, der hatte ebenfalls Zinn und Pfeffer. Ich würde die Vorräte gern ergänzen; denn wir erwarten in den nächsten Tagen einige niederländische Frachter, die das Zeug nach Rotterdam bringen können. Zinn ist immer gut. Pfeffer haben wir zwar selbst genug; aber wenn er nicht zu teuer ist, können wir auch darüber sprechen.« Virgen nannte seinen Preis.
