
Aber diese Mühe machten sie sich nicht. Es tat mir nicht besonders leid. Ich hatte schon vor langer Zeit begriffen, daß Piloten alles andere als eine große, glückliche, verschworene Gemeinschaft sind. Unter Piloten gab es die gleichen Gemeinheiten wie überall sonst.
Ich kletterte wieder auf meinen Platz in der Cherokee und legte mir die Karten und Flugpläne für die Rückreise zurecht. Ich hatte vier Stunden Zeit dafür und brauchte ganze zehn Minuten. Danach überlegte ich, ob ich zu den Tribünen hinübergehen und mir etwas zu essen besorgen sollte, und befand, daß ich keinen Hunger hatte. Danach gähnte ich. Aus Gewohnheit.
Mein Stimmungstief beherrschte mich jetzt schon so lange, daß es zu einem dauerhaften Gemütszustand geworden war. Die Erwartungen, die ein neuer Job mit sich brachte, mochten zwar die dunklen Wolken für eine Weile zurückdrängen, aber das Leben weigerte sich beharrlich, den schönen Hoffnungen gerecht zu werden. Das war mein sechster Job, seit ich mit strahlenden Augen gelernt hatte zu fliegen, mein vierter, seit das Strahlen für alle Zeit verschwunden war. Ich hatte gedacht, die Taxifliegerei könnte ganz interessant werden; langweiliger als die Schädlingsbekämpfung, meine letzte Beschäftigung, konnte es auf keinen Fall sein, und vielleicht würde ich ja auch wirklich noch Geschmack daran finden. Aber wenn ich geglaubt hatte, dabei von Auseinandersetzungen und Übellaunigkeiten verschont zu bleiben, dann hatte ich mir etwas vorgemacht. Denn schon wartete all das wieder auf mich, ganz wie gewohnt. Zänkische Passagiere, streitlustige Konkurrenz und von irgendwelcher Freude weit und breit keine Spur.
Ich registrierte einen leichten Schlag gegen den Rumpf, dann einen Ruck und hörte, wie sich jemand auf die Tragfläche schwang. Die nur angelehnte Tür wurde temperamentvoll aufgerissen und ausgefüllt von einem Mädchen, das in die Hocke gegangen war, Hüfte, Knie und Hals gebeugt, um in das Flugzeug hinein- und mich anzusehen.
