«Nein? Nun, sie ist Trainerin. Eine verdammt gute Trainerin, das muß man ihr lassen. Sonst würde ich auch nicht bei ihr bleiben. Nicht bei der scharfen Zunge. Ich sag Ihnen was, Sportsfreund, die Frau hat einen Ton am Leib, wenn sie ihre Stallburschen auf der Galoppbahn antreibt, da würde jeder Oberfeldwebel vor Neid erblassen. Aber honigsüß bei den Besitzern. Die fressen ihr aus ihrem zierlichen Händchen.«

«Die Pferde auch?«

«Hm? O ja. Die Pferde lieben sie. Und sie kann reiten wie ein Jockey, wenn sie Lust dazu hat. Nicht daß sie das heute noch sonderlich oft täte. Kommt wohl in die Jahre. Aber trotzdem. Die Frau weiß, was sie tut, soviel steht fest. Sie weiß, was ein Pferd bringen kann und was nicht, und das ist in diesem Spiel die halbe Miete.«

In seiner Stimme schwangen Groll und Bewunderung zu etwa gleichen Teilen mit.

Ich fragte:»Wie heißt der andere Mann? Der große.«

Diesmal war es Groll pur, ohne Bewunderung. Langsam, Silbe für Silbe, spie er den Namen aus und verzog dabei angewidert das Gesicht.

«Mr. Eric Goldenberg.«

Nachdem er den Namen losgeworden war, machte er seinen Mund fest zu und nahm sich ganz offensichtlich die Bemerkung seiner Arbeitgeberin zu Herzen. Wir erreichten das Flugzeug und verstauten die Mäntel und seinen Sattel in dem Gepäckabteil hinter den Rücksitzen.

«Wir fliegen zuerst nach Newbury, nicht wahr?«erkundigte er sich.»Um Colin Ross abzuholen?«

«Ja.«

Er warf mir einen sardonischen Blick zu.»Also, von Colin Ross müssen Sie gehört haben.«

«Ich denke«, sagte ich,»das habe ich.«

Alles andere wäre auch schwierig gewesen, denn der Championjockey war doppelt so beliebt wie der Premierminister und verdiente sechsmal soviel Geld. Sein Gesicht war auf der Hälfte aller Plakatwände in Großbritannien zu sehen, um die Bevölkerung zu größerem Milchkonsum zu ermuntern, und seine scharfzüngigen Bonmots sorgten mindestens einmal im Monat für Schlagzeilen. Es gab sogar ein Kindercomic über ihn. Jeder, aber auch jeder, hatte von Colin Ross gehört.



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