
Während andere Sportfotografen fairerweise von Zeit zu Zeit ein Siegerfoto brachten, handelte George ausschließlich in Schmach und Schande. George war der geborene Ehrabschneider. Die Zeitungen bedauerten es vielleicht, daß es ein Ende hatte mit seinen zum Kichern reizenden Bildern, aber an dem Tag, als Steve erzählte, daß sein Vater gegen einen Baum gefahren war, hielt sich die Trauer in der Jockeystube in Grenzen.
Aus Sympathie für Steve hatte niemand viel gesagt. Allerdings war ihm das Schweigen nicht entgangen, und er hatte sich sein Teil gedacht. Er hatte seinen Vater all die Jahre pflichtschuldig verteidigt; und er wußte Bescheid.
Als ich so im Regen zurücktrottete, kam es mir dennoch sonderbar vor, daß wir George Millace nie wiedersehen sollten. Ich sah seine altvertraute Erscheinung vor meinem inneren Auge: leuchtende, kluge Augen, lange Nase, Hängeschnauzer, zu einem säuerlichen Lächeln verzogener Mund. Zugegeben, ein fantastischer Fotograf mit einem außergewöhnlichen Talent für Vorahnungen und gutes Timing, stets mit dem Objektiv zur rechten Zeit am rechten Ort. Ein Witzbold, auf seine Art: Erst vor knapp einer Woche hatte er mir ein Hochglanz-Schwarzweißfoto gezeigt, das mich im Sturzflug zeigte, Nase nach unten, Hinterteil in der Luft. Die Legende auf der Rückseite lautete: >Philip Nore —… Arsch hoch zum Grashüpfen!< Wenn hinter seinem Humor nicht diese tiefsitzende Mißgunst gesteckt hätte, hätte man lachen können. Wenn nicht diese Grausamkeit in seinen Augen gelauert hätte, hätte man seinen entlarvenden Ansatz zumindest tolerieren können. Er hatte gewissermaßen Bananenschalen verstreut und dann auf der Lauer gelegen, um sich über diejenigen lustig zu machen, die darauf ausrutschten; man würde ihn dankbar vermissen.
Als ich schließlich in den Schutz der Veranda vor dem Waageraum trat, empfingen mich Trainer und Besitzer mit der erwarteten vorwurfsvollen Miene.
