
Es bestand die vage Möglichkeit, daß das winzige Gravitationsfeld Ramas — etwa ein Tausendstel der Schwerkraft auf der Erde — dies verhindern würde. Dadurch würde die Endeavour mit einer Kraft von mehreren Tonnen gegen die Fläche gepreßt werden, und bei einer relativ rauhen Oberflächenstruktur würde das Schiff in Polnähe bleiben. Aber Commander Norton beabsichtigte keineswegs, eine unbekannte Reibungskraft gegen eine vollkommen sichere Zentrifugalkraft in die Waagschalen zu werfen.
Glücklicherweise hatten die Konstrukteure Ramas die Antwort bereits geliefert. In gleichmäßigen Abständen um die Polachse waren drei niedrige bunkerförmige Gebilde von etwa zehn Metern Durchmesser angeordnet. Wenn die Endeavour zwischen zweien davon landete, würde sie durch die Zentrifugalkraft gegen sie getrieben und von ihnen abgeblockt werden, wie ein Schiff, das von den andrängenden Wellen am Kai festgehalten wird.
„Kontakt in fünfzehn Sekunden“, sagte Joe.
Während Commander Norton sich auf die Kontrollsteuerung konzentrierte (die er, wie er hoffte, nicht würde bedienen müssen), kam ihm blitzartig zum Bewußtsein, welche Bedeutung dieser Augenblick hatte. Es handelte sich zweifellos um das wichtigste Landemanöver seit der Mondlandung vor anderthalb Jahrhunderten.
Die grauen bunkerähnlichen Gebilde glitten langsam das Bullauge hinauf. Es kam das letzte Zischen einer Reaktionsdüse, dann ein kaum spürbarer Stoß.
In den vergangenen Wochen hatte Commander Norton sich oftmals gefragt, was er in diesem Moment sagen würde. Doch nun, da er eingetreten war, wählte die Geschichte die Worte für ihn, und er sagte halb automatisch (und ohne sich wirklich bewußt zu sein, daß er auf ein historisches Ergebnis der Vergangenheit anspielte): „Rama-Basis. Endeavour ist gelandet.“
