
Im Jahr 1975, kurz vor dem Fall Saigons, waren Minh, seine Frau und seine zwei Kinder unter den wenigen Glücklichen, die vom Hof der Amerikanischen Botschaft in CH-53 Militärhubschraubern an Bord der Siebten Amerikanischen Flotte auf hoher See in Sicherheit gebracht wurden. Selbst da filmte er noch die ganze Aktion, und ein Großteil seines Materials wurde in den National Evening News verwendet.
Nun war es wieder eine Fliegergeschichte, ein ganz andere zwar, aber eine ebenso dramatische und eine, deren Ausgang noch ungewiß war.
Im Sucher wurden die Umrisse des näher kommenden Airbus' langsam deutlich. Klarer erkennbar war nun aber auch der helle Flammenkranz auf der rechten Seite mit der dichten Rauchwolke dahinter. Die Flammen schlugen aus der Stelle, wo das Triebwerk abgerissen und jetzt nur noch Teile der Halterung zu erkennen waren. Minh und die anderen Augenzeugen waren erstaunt, daß das Feuer noch nicht das ganze Flugzeug erfaßt hatte.
Vernon im Inneren des Kombi hatte inzwischen auf die Funkfrequenz des Luftverkehrs umgeschaltet. Man hörte, wie die Bodenkontrolle mit dem Airbuspiloten sprach. Der Fluglotse, der den Anflug auf dem Radarschirm überwachte, warnte mit ruhiger Stimme: »Sie sind leicht unterhalb des Gleitwegs... weichen nach links von der Mittellinie ab... Jetzt wieder auf dem Gleitweg, auf der Mittellinie...«
Aber die Airbuspiloten hatten offensichtlich Schwierigkeiten, Höhe und Kurs zu halten. Das Flugzeug schien seitwärts hereinzuschweben, den beschädigten rechten Flügel höher gestellt als den linken. Manchmal brach die Nase der Maschine aus, um sich dann, wie nach einer verzweifelten Anstrengung der Piloten im Cockpit, wieder auszurichten. Es war ein unruhiges Auf und Ab, weil das Flugzeug immer wieder absackte und dann nur mühsam wieder an Höhe gewann. Am Boden stellten sich alle dieselbe unausgesprochene bange Frage: Würde der Airbus, nachdem er nun so lange durchgehalten hatte, auch noch den Rest der Strecke schaffen? Die Antwort wußte niemand.
