Wie immer bei Flugzeugunfällen blieben die Opfer, wo sie waren, bis ein Beamter der Flugsicherheitsbehörde - der angeblich bereits unterwegs war - sie zum Abtransport freigeben würde.

Nun verließ auch die Cockpit-Crew, entschieden jede Hilfe ablehnend, das Flugzeug. Als der Kapitän, ein graumelierter, langgedienter Pilot, der natürlich von den vielen Toten bereits wußte, sich nun unter den Verletzten umsah, begann er in aller Öffentlichkeit zu weinen. Und da Minh annahm, daß die Piloten, trotz der vielen Opfer, wegen der sicheren Landung der Maschine im Mittelpunkt des Interesses stehen würden, filmte er das tief betroffene Gesicht des Kapitäns in Großaufnahme. Es war Minhs letztes Bild, denn eine Stimme rief: »Harry! Minh! Ken! Schluß jetzt. Nehmt, was ihr habt, und kommt mit mir. Wir überspielen via Satellit nach New York.«

Die Stimme gehörte Rita Abrams, die mit einem Bus des Informationsbüros eingetroffen war. In einiger Entfernung war der versprochene Übertragungswagen zu sehen. Die Satellitenschüssel des Transporters, die während der Fahrt wie ein Fächer zusammengeklappt werden konnte, wurde eben geöffnet und ausgerichtet.

Gehorsam senkte Minh die Kamera. Zwei weitere Fernsehteams waren mit Rita im Bus angekommen, das eine von KDLS, der CBA-Tochter, und mit ihnen eine Horde von Zeitungsreportern und Fotografen. Sie und viele andere, das wußte Minh, würden die Geschichte nun weiterverfolgen. Aber nur er hatte das wirklich heiße Material, die Exklusivaufnahmen des Unglücks, und er spürte heimlichen Stolz bei dem Gedanken, daß seine Bilder an diesem und an den folgenden Tagen um die Welt gehen und so zu einem Stück Geschichte werden würden.



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