
Doch bald ließ der Strom der flüchtenden Passagiere spürbar nach. Harry Partridge schätzte, daß etwa zweihundert Leute das Flugzeug verlassen hatten, aber er wußte auch, daß, einschließlich der Crew, 297 Personen an Bord gewesen waren. Die Feuerwehrmänner begannen nun, Verletzte mit offensichtlich sehr starken Verbrennungen herauszutragen, darunter auch zwei Stewardessen. Noch immer drang Rauch aus der Kabine, wenn auch schon deutlich weniger als zuvor.
Minh Van Canh nahm weiterhin das ganze Geschehen auf, er dachte rein professionell und schloß jeden anderen Gedanken aus, obwohl er sich durchaus bewußt war, daß er der einzige Kameramann am Schauplatz war und etwas ganz Besonderes, wenn nicht Einzigartiges auf seinen Bändern hatte. Seit dem Absturz der Hindenburg war dies vermutlich das erste Mal, daß eine Luftfahrtkatastrophe solchen Ausmaßes live und in solcher Ausführlichkeit aufgenommen wurde.
Krankenwagen waren zum Kommandostand gerufen worden. Etwa zwölf waren bereits da, doch immer noch mehr trafen ein. Sanitäter kümmerten sich um die Verletzten und legten sie auf die wenigen Bahren. In ein paar Minuten würden die Opfer auf dem Weg in die Krankenhäuser sein, die bereits auf sie vorbereitet waren. Als dann ein Helikopter mit Ärzten und Schwestern an Bord landete, glich der Kommandostand neben dem Airbus mehr und mehr einem improvisierten, aber gut funktionierenden Feldlazarett.
Die Geschwindigkeit, mit der das alles passierte, warf ein gutes Licht auf die Notfallplanung des Flugplatzes, dachte Partridge. Über Funk hörte er den Einsatzleiter von etwa einhundertneunzig Geretteten sprechen. Blieben also noch fast einhundert Personen, deren Schicksal ungewiß war.
Ein Feuerwehrmann, der die Atemmaske abgenommen hatte, um sich den Schweiß vom Gesicht zu wischen, stöhnte: »O Gott! Auf den hinteren Sitzen liegen Massen von Toten. Dort war vermutlich der Rauch am dichtesten.« Das erklärte auch, warum die vier Hecktüren nicht von innen geöffnet worden waren.
