
An diesem Tisch kamen die führenden Köpfe des Senders zusammen, um über Auswahl und Ablauf der Nachrichten zu entscheiden: der Studioleiter, der Chefsprecher, die Chefproduzenten, der Direktor, Redakteure, Texter, der Bildchef und die Assistenten. Darüber hinaus gab es, bereit zum Einsatz wie die Instrumente eines Orchesters, ein halbes Dutzend Computerterminals, Fernschreiber, eine Phalanx hochmoderner Telefone und TV-Schirme, auf denen man vom ungeschnittenen Videomaterial über sendebereite Beiträge bis hin zu den Sendungen der Konkurrenz alles abrufen konnte.
Das Hufeisen lag im dritten Stock des CBA-News-Gebäudes, im offenen Zentralbereich der Etage. An der einen Seite schlossen sich Büros an, in die sich die leitenden Mitarbeiter der Nachrichtenredaktion zu verschiedenen Zeiten des Tages von der Hektik des Hufeisens zu etwas stillerem Arbeiten zurückzogen.
An diesem Tag hatte, wie gewohnt, Chuck Insen, der Studioleiter, den Vorsitz am Hufeisen. Insen war hager und jähzornig, ein alter Hase im Nachrichtengeschäft, der seine Karriere bei den Printmedien begonnen hatte und auch heute noch unbeirrt die Inlandsnachrichten den internationalen vorzog. Mit zweiundfünfzig war er, nach Fernsehmaßstäben, fast schon ein alter Mann, doch er zeigte auch nach vier Jahren in einem Job, der andere in zwei Jahren aufgerieben hatte, noch keinerlei Ermüdungserscheinungen. Chuck Insen konnte sehr harsch sein und war es häufig auch, Witzeleien oder privaten Klatsch gab es bei ihm nicht - aus einem sehr einfachen Grund: Der Arbeitsdruck ließ dazu keine Zeit.
In diesem Augenblick, an einem Mittwoch Mitte September, war der Streß größer denn je. Seit den frühen Morgenstunden wurde am Aufbau der Abendnachrichten, an der Auswahl der Themen und der Sendezeit, die man ihnen zumaß, gearbeitet; man diskutierte, verwarf und verbesserte. Korrespondenten aus der ganzen Welt hatten Ideen eingebracht, hatten Aufträge erhalten und sie ausgeführt. Entstanden war daraus ein Sendeplan mit acht Korrespondentenberichten von je etwa eineinhalb bis zwei Minuten Länge sowie zwei »Voice-overs« und vier »Tell-stories« von durchschnittlich zwanzig Sekunden. Ein Voice-over war ein vom Moderator verlesener Bericht mit Bildunterlegung, eine »Tell-story« ein Sprecherbericht ohne Bilder.
