
»Ich weiß, daß du ausgezeichnete Beziehungen hast«, erwiderte Insen sarkastisch. »Kannst du vielleicht fünf Minuten mehr Sendezeit herausschlagen?«
»Ich meine das ernst. Der Bericht ist wichtig.«
»Und stinklangweilig. Ich sage nein.«
»Und was ist, wenn ich ja sage?«
»Darüber werden wir uns morgen unterhalten. Aber inzwischen sitze ich hier mit gewissen Verantwortlichkeiten.«
»Dazu sollte aber auch ein vernünftiges Urteilsvermögen über Auslandsnachrichten gehören.«
»Jeder von uns hat seinen Job«, sagte Insen, »und bei deinem wird langsam die Zeit knapp. Ach übrigens, die Art, wie du die Dallas-Sache gebracht hast - mein Kompliment.«
Ohne zu antworten, legte Sloane auf. Dann fiel ihm noch etwas ein, und er sagte zu dem Texter neben sich: »Jemand soll mir Harry Partridge in Dallas ans Telefon holen. Ich möchte während der ersten Pause mit ihm reden. Ich will ihm und den anderen gratulieren.«
»Fünfzehn Sekunden«, rief der Sendeleiter.
Ja, dachte Sloane, es würde morgen wirklich zu einer Diskussion zwischen ihm und Insen kommen oder, besser gesagt, zu einer Kraftprobe. Vielleicht sollte man Insen klarmachen, daß er seine Schuldigkeit getan hatte und daß es Zeit für ihn war zu gehen.
Mit ernstem, verkniffenen Gesicht kehrte Chuck Insen nach dem Ende der Zweitausgabe in sein Büro zurück, um sich noch ein paar Zeitschriften zu holen, die er später zu Hause lesen wollte.
Lesen, lesen, lesen, um in allen Bereichen informiert zu sein, das war die Last eines Chefproduzenten der Nachrichtenredaktion. Zu jeder Zeit und an jedem Ort fühlte er sich verpflichtet, nach einer Zeitung, einer Zeitschrift, einem Buch und selbst nach den obskursten Publikationen zu greifen, so wie andere nach einer Tasse Kaffee, einem Taschentuch, einer Zigarette griffen. Oft wachte er mitten in der Nacht auf und las oder hörte die Auslandsnachrichten der Kurzwellensender. Zu Hause hatte er über seinen Personal Computer Zugang zu allen wichtigen Presseagenturen, und jeden Morgen um fünf rief er sie alle ab. Bei der Fahrt zur Arbeit hörte er die Radionachrichten - gewöhnlich die von CBS, weil er die, wie die meisten Nachrichtenprofis, für die besten hielt.
