
Auch nach all den Jahren konnte sich Sloane noch gut an eine Unterhaltung mit Partridge erinnern, der eines Tages bemerkt hatte: »Crawf, du wirst diesen Krieg nie verstehen, wenn du immer nur zu den Saigon Follies gehst und im Caravelle herumhängst.« Ersteres war der Spitzname, den das Pressecorps für militärische Einsatzbesprechungen verwandte, letzteres ein Hotel, in dem die internationale Presse, ranghohe Offiziere und das Zivilpersonal der amerikanischen Botschaft ihren Durst stillten.
»Falls du auf Risiken anspielst«, hatte Sloane verstimmt erwidert, »ich bin bereit, die gleichen einzugehen wie du.«
»Vergiß die Risiken. Mit denen müssen wir alle leben. Ich rede über die Art der Berichterstattung. Ich will dieses Land verstehen, die Hintergründe kennenlernen. Manchmal will ich unabhängig sein vom Militär, nicht nur von einem Scharmützel zum anderen latschen und über die Knallerei berichten, wie sie es gerne hätten. Das ist zu einfach. Und wenn ich von der Front berichte, dann will ich ganz vorne mit dabeisein, damit ich sehe, ob es wirklich stimmt, was die Pressefritzen vom Infodienst uns erzählen.«
»Wenn du das willst«, erwiderte Sloane, »bist du tagelang, manchmal sogar wochenlang weg.«
Partridge schien amüsiert über die Bemerkung. »Dacht' ich mir, daß du da gleich draufkommst. Ich bin mir sicher, du hast auch schon gemerkt, daß die Art, wie ich arbeiten will, dir die Möglichkeit gibt, dein Gesicht fast jeden Abend in den Nachrichten zu zeigen.«
Sloane war es unangenehm, so leicht durchschaubar zu sein, zumal es letztlich genau darauf hinauslief.
Niemand konnte behaupten, daß Sloane in seiner Zeit in Vietnam nicht schwer gearbeitet hätte. Er arbeitete schwer, und er ging auch Risiken ein. Gelegentlich begleitete er Einheiten ins Operationsgebiet des Vietcong, stand manchmal mitten im hitzigsten Feuer, und in besonders gefährlichen Augenblicken fragte er sich, wie jeder andere auch, ob er da je wieder lebendig herauskommen würde.
