Ohne sich dessen bewußt zu sein, wurde ihr Denken, wie das aller anderen, vom Leben in Vietnam beeinflußt. Der Krieg war allgegenwärtig wie die Luft, die sie atmeten. Man hatte das Gefühl, die Zeit sei komprimiert und tempogeladen, als würden Uhren und Kalender schneller laufen. Jeder Tag des Lebens schien wie ein Sturzbach aus den geöffneten Schleusen eines Dammes hervorzubrechen. Wer von ihnen wußte denn, wie viele Tage ihm noch blieben? Wer von ihnen würde je zu einem normalen Lebensrhythmus zurückfinden?

In keinem Krieg in der Geschichte der Menschheit war es je anders gewesen.

Sorgfältig wägte Jessica beide Seiten ab. Am Tag darauf nahm sie Crawford Sloanes Antrag an.

Die Trauung wurde sofort vollzogen, von einem Militärgeistlichen in der Amerikanischen Botschaft. Der Botschafter war bei der Zeremonie anwesend und gab danach einen Empfang in seinen Privaträumen.

Sloane war außer sich vor Glück. Jessica redete sich ein, daß sie es auch sei; sie hatte die feste Absicht, ihre Gefühlsverfassung der seinen anzugleichen.

Partridge erfuhr von der Heirat erst nach seiner Rückkehr nach Saigon. Tief traurig erkannte er nun, wieviel er verloren hatte. Als er Jessica und Sloane besuchte, um ihnen zu gratulieren, bemühte er sich, seinen Schmerz zu verbergen. Doch Jessica kannte ihn zu gut, um es nicht zu bemerken.

Auch wenn sie ähnliche Gefühle wie Partridge haben mochte, behielt Jessica sie für sich und versuchte, sie zu überwinden. Sie sagte sich, daß sie eine Entscheidung getroffen hatte, und sie war entschlossen, Sloane eine gute Frau zu sein, was sie in den ganzen Jahren auch wirklich war. Wie in jeder normalen Ehe gab es Streitigkeiten und Zerwürfnisse, doch die heilten wieder. Und nun waren es nur noch fünf Jahre bis zur Silberhochzeit von Jessica und Crawford Sloane - so unglaublich das für alle Beteiligten auch schien.



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