Dick Francis

Rivalen

Kapitel 1

Leim schnüffelnde Rennreiter gewinnen das Derby nicht. Ich hatte noch nie im Leben Leim geschnüffelt.

Trotzdem, da stand ich vor dem Mann, dessen Pferde ich ritt, und mußte mir von ihm sagen lassen, er habe keine Verwendung mehr für mich.

Er saß hinter seinem großen, von Papieren übersäten Schreibtisch und befaßte sich mit seinen Fingernägeln. Gelblichweiße, glatte Hände.

»Ich habe das aus glaubwürdiger Quelle«, sagte er.

»Aber es stimmt nicht«, widersprach ich entgeistert. »Ich habe noch nie Leim geschnüffelt. Erst recht kein Kokain geschnupft. Ich hab noch nicht mal Pot geraucht. Das ist nicht wahr.«

Er betrachtete mich mit erfahrenen Augen, ein massiger, ebenso macht- wie selbstbewußter, wohlhabender Mann, der von Haus aus einen klaren Kopf und Anteile an einer Bank besaß und aus Leidenschaft sehr erfolgreich Rennpferde trainierte.

Ich war noch keine achtzehn und, wie ich jetzt im Gegensatz zu damals weiß, unreif für mein Alter. Seine falsche Überzeugung machte mich einfach hilflos, und ich hatte keine Ahnung, wie ich dagegen angehen sollte.

»Sir Vivian ...«, setzte ich verzweifelt an, doch er brachte mich mit seiner gewichtigen, gebieterischen Stimme mühelos zum Schweigen.

»Packen Sie Ihre Sachen, Benedict«, sagte er. »Ich lasse meinen Stall nicht von einem Reiter, der Drogen nimmt, ins Gerede bringen, auch wenn es nur ein Amateur ist, der nicht viel taugt.«

Er sah, wie ich zusammenzuckte, sprach aber unbeirrt weiter. »Aus Ihnen wird nie ein Klassereiter. Schon weil Sie zu groß sind oder es in spätestens ein, zwei Jahren sein werden, und ehrlich gesagt machen Sie im Sattel keine gute Figur. Sie zappeln. Bei Ihnen fällt der ausgeglichenste Springer auseinander. Und dann so ein schlechter Ruf ... da soll man Sie mit meinem Stall lieber nicht in Verbindung bringen.«



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