
Ich schaute ihn benommen an; sein abfälliges, vielleicht aber vertretbares Urteil über mein Reitvermögen hatte mich mehr getroffen als die unhaltbaren Drogenvorwürfe.
Die vertrauten Wände seines Büros schienen sich von mir zu entfernen, so daß ich verloren, mit klopfendem Herzen in der Mitte zurückblieb und die Füße nicht mehr spürte, auf denen ich stand. Die bekannten Fotos einstiger Sieger, die Bücherregale und die olivgrüne Tapete verschwammen. Ich sah nur das unbewegte Gesicht des Mannes, der unter meinen langgehegten Traum, einmal alle Rennen vom Grand National an abwärts zu gewinnen, den Schlußstrich gezogen hatte.
Wahrscheinlich ist man noch ganz gut bedient, wenn man mit siebzehn auf das rechte Maß gestutzt wird. Es fühlte sich nur in dem Augenblick, als mich der Hammer traf, nicht so an.
»Vor dem Fenster dort«, Sir Vivian Durridge deutete hinaus, »wartet ein Wagen auf Sie. Der Fahrer sagt, er habe Ihnen etwas auszurichten. Er wartet schon seit gut einer Stunde, Sie waren noch beim Arbeitsgalopp, als er kam.«
Ich blickte seinem Finger nach und sah unten an der geharkten Kiesauffahrt zum eindrucksvollen, säulengetragenen Vorbau seiner Villa eine große schwarze Limousine stehen, in der lediglich ein Chauffeur mit Schirmmütze saß.
»Wer ist das?« fragte ich verwirrt.
Vivian Durridge konnte oder wollte es mir nicht verraten. Er meinte nur: »Fragen Sie ihn, wenn Sie gepackt haben.«
»Aber, Sir ...«, versuchte ich es noch einmal, blieb aber, von seiner ablehnenden Haltung entmutigt, wiederum stecken.
»Schauen Sie, daß Sie mit sich ins reine kommen«, sagte er und bedeutete mir, ich solle gehen. »Ich habe jetzt zu tun.«
Er blickte beharrlich auf seinen Schreibtisch, ohne mich noch zu beachten, und nach ein paar Sekunden ging ich unsicher zu der hohen, blanken Tür mit dem vergoldeten Griff und ließ ihn allein.
Es war ungerecht. Ich hatte selten im Leben geweint, aber jetzt fühlte ich mich klein und den Tränen nah. Noch nie hatte mir jemand knallhart etwas vorgeworfen, was ich nicht getan hatte. Nie hatte sich jemand so abfällig über meine reiterlichen Fähigkeiten geäußert. Ich hatte immer noch eine dünne Haut.
