Jedenfalls fürchtete er dieses Urtheil, als er bat, einen anderen Wagen zu nehmen und ihm die Führung desselben zu überlassen. Übrigens war das Intermezzo mehr amüsant als gefährlich, und selbst die Fatalität, den Schmied nicht anwesend zu finden, hat die angenehme Folge, mich auf eine verlängerte Frist auf die Dienste meines edlen Ritters angewiesen zu sehen." Wieder hatte sein Auge jenen forschenden, beinahe stechenden Blick wie vorhin. Hatten ihre Worte vielleicht den Zweck, ihm die Überlegenheit eines Stallmeisters begreiflich zu machen? Dann war das zarte Frauengebild vor ihm allerdings mehr erwachsen und gereift, als er angenommen hatte. Seine äußern Augenwinkel zeigten einige leichte Fältchen, als er fortfuhr:

"Könnten diese Dienste doch von ewiger Dauer sein, meine gnädige Prinzeß! Aber man wird in Angst um Euer Hoheit sein. Ich muß den Wagen hier zurücklassen und einen anderen requiriren."

Er wandte sich an die Frau des abwesenden Schmiedes, welche, Auskunft ertheilend, bisher unter dem Eingange gestanden hatte.

"Also der Meister kommt erst am Abende zurück?"

"Ja."

"Und Sie haben Niemand, der die sofortige Reparatur ausführen könnte?"

"Nein. Der Lehrjunge, welcher beim Nägelschlagen ist, bringt das nicht fertig."

"So giebt es vielleicht in der Nähe einen anständigen Wagen, den man sich leihen kann?"

"Allerdings. Aber - Grüß Gott, Herr Doktor!" unterbrach sie sich. "Prächtiges Wetter zum Spazieren. Nicht?"

Diese Worte waren an den mittlerweile herangekommenen Fußgänger gerichtet, welcher im Begriffe gestanden hatte, grüßend vorüberzuschreiten, jetzt aber, den Hut ziehend, näher trat. Die Frau streckte ihm halb vertraulich, halb respektvoll die Hand entgegen. "Der Herr Pathe wollte wohl gar vorübergehen?" "Um nicht zu stören."



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