Der Himmel mochte gut und schön sein, aber man mußte sterben, um dorthin zu gelangen. Harry hatte keine Angst vor dem Sterben, aber sie hatte auch nichts dagegen zu leben. Sie fragte sich, wie sich das Leben angefühlt haben mochte, als das Christentum neu, lebendig und aufregend war - bevor es durch Kollaboration mit der weltlichen Macht korrumpiert wurde. Um das herauszufinden, hätte sie im ersten Jahrhundert nach Christi Geburt leben müssen, und so verlockend der Gedanke auch sein mochte, sie war nicht sicher, ob sie ohne ihren alten Kombi existieren konnte. Hieß das, daß sie ihre Seele für einen fahrbaren Untersatz verkaufen würde? Maschinen, Mammon und Massenwahn waren irgendwie miteinander verknüpft, und Harry wußte, daß sie nicht klug genug war, um den gordischen Knoten des modernen Lebens zu entwirren.

Sie war Posthalterin geworden, um sich vor dem modernen Leben zu verstecken. Mit Kunstgeschichte als Hauptfach am Smith College, das sie als Stipendiatin absolviert hatte, war sie nicht gerade glänzend auf die Zukunft vorbereitet gewesen. Daher kehrte sie nach dem Examen nach Hause zurück und arbeitete als Reitlehrerin in einem großen Reitstall. Als der alte George Hogendobber starb, bewarb sie sich um den Job im Postamt und bekam ihn. Seltsam, daß Mrs. Hogendobber eine gute Ehe geführt hatte, während Harry mit dem anderen Geschlecht im Clinch lag. Sie fragte sich, ob Mrs. Hogendobber ein paar Tricks kannte, die sie nicht drauf hatte, oder ob George einfach jede Hoffnung auf ein eigenes Leben aufgegeben und die Ehe deswegen funktioniert hatte. Harry bereute die Entscheidung für ihren Posten nicht, so gering er anderen auch scheinen mochte, aber sie bereute ihre Heirat.

»Mom ist nachdenklich heute morgen.« Mrs. Murphy rieb sich an Tucker.»Die Scheidung, schätze ich. Die Menschen machen es sich wahrhaftig schwer.«

Tuckers Ohren zuckten vor und zurück.»Tja, sie machen sich dauernd Sorgen.«



28 из 239