Hochachtungsvoll

Ihr sehr ergebener C. Crozet

»Ich wußte gar nicht, daß Kelly sich für Geschichte interessierte.«

Marie zuckte die Achseln. »Ich auch nicht, aber er hatte so seine Marotten.«

Rick schob seinen Daumen unter den schweren Gürtel und entlastete so Schulter und Taille etwas von dem Gewicht. »Crozet war Ingenieur. Vielleicht hat er über Straßenbau oder so was geschrieben. Er hat unsere sämtlichen Fernstraßen gebaut. Auch die Route 240, soweit ich mich an Miss Grindles Unterricht in der vierten Klasse erinnere.«

»Die war eine Hexe.« Marie hatte Miss Grindle auch gehabt.

»An der Volksschule von Crozet gab es keine Disziplinschwierigkeiten, solange Miss Grindle dort war.«

»Vom Bürgerkrieg bis zum Koreakrieg.« Marie kicherte ein bißchen, dann besann sie sich. »Wie kann ich in so einer Situation bloß lachen?«

»Sie brauchen es. Ihre Gefühle werden eine Zeitlang Achterbahn fahren.«

Tränen traten Marie in die Augen. »Sie werden ihn kriegen, nicht? Den, der das getan hat?«

»Ich werd mich bemühen, Marie. Ich werd mich bemühen.«

4

»Bist du sicher, daß du hingehen willst?« Susan sah Harry ins Gesicht.

»Du weißt, ich muß.«

Boom Boom keinen Beileidsbesuch abzustatten wäre ein Fauxpas gewesen, den man Harry ewig vorgehalten hätte. Nicht direkt, beileibe nicht, man hätte es sich nur gemerkt, ein Minuspunkt neben ihrem Namen auf der Liste. Auch wenn sie mehr Plus- als Minuspunkte hatte - sie hoffte, daß es so war -, zahlte es sich nicht aus, ihren Ruf in Crozets Gesellschaft aufs Spiel zu setzen.

Es war nicht nur der Schock über einen erschütternden Tod, der Harry zusetzte, sondern auch der Umstand, daß sie sich dem gesamten gesellschaftlichen Spektrum würde stellen müssen. Seit sie Fair den Laufpaß gegeben hatte, hatte sich Harry ziemlich abgesondert. Fair würde natürlich bei Craycrofts sein. Auch wenn sein großer Lieferwagen nicht in der Zufahrt parkte, wußte sie, daß er da sein würde. Er war wohlerzogen. Er wußte, was sich in so einem Fall gehörte.



44 из 239