Ibn Fadlan spekuliert niemals. Jedes Wort klingt wahr, und wann immer er vom Hörensagen berichtet, ist er so sorgfältig, dies auch anzugeben. Gleichermaßen sorgfältig weist er darauf hin, wann er Augenzeuge ist; deswegen gebraucht er ein ums andere Mal die Formulierung »Ich sah mit eigenen Augen«. Letztendlich ist es dieser Eindruck absoluter Wahrhaftigkeit, der seine Geschichte so erschreckend macht. Denn seine Begegnung mit den Nebelungeheuern, den »Verzehrern der Toten«, wird mit dem gleichen Augenmerk für Einzelheiten, der gleichen sorgfältigen Skepsis erzählt, die auch die anderen Teile des Manuskriptes kennzeichnen. Der Leser mag sich auf jeden Fall ein eigenes Urteil bilden.

Der Aufbruch aus der Stadt des Friedens

Gelobt sei Gott, der Gnädige und Barmherzige, der Herr der zwei Welten, und Friede und Heil über den Prinzen der Propheten, unsern Herrn und Meister Mohammed, den Gott segne und beglücke mit fortwährendem und unvergänglichem Frieden und Heil bis zum Tag des Gerichts! Dies ist das Buch des Ahmad ibn-Fadlan, ibn-al-Abbas, ibn-Rasid, ibn-Hammad, eines Schützlings des Muhammad ibn-Sulayman, des Gesandten des al-Muqtadir an den König der Saqaliba, in welchem er aufzeichnet, was er im Lande der Türken, der Hazar, der Saqaliba, der Baskir, der Rus und der Nordmänner sah, von der Geschichte ihrer Könige und der Art, wie sie bei vielerlei Anlässen ihres Lebens sich betragen. Der Brief des Yiltawar, König der Saqaliba, erreichte den Gebieter der Gläubigen, al-Muqtadir. Er ersuchte ihn darin, jemanden zu entsenden, welcher ihn in Religion unterweisen und mit den Gesetzen des Islam vertraut machen, welcher eine Moschee für ihn bauen und eine Kanzel für ihn errichten möge, von welcher aus der Auftrag zur Bekehrung seines Volkes in allen Ländereien seines Königreiches ausgeführt werden möge; und ebenso zur Beratung in der Anlage von Befestigungen und Verteidigungswerken. Und er bat den Kalifen, desgleichen zu tun. Der Vermittler in dieser Angelegenheit war Dadir al-Hurami.



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