Offensichtlich gelangte Ibn Fadlans Gruppe in eine wärmere Gegend, denn er gibt keine weiteren Hinweise auf die extreme Kälte.

Wiederum brachen wir auf und ritten jeden Tag von Mitternacht bis zur Stunde des Nachmittagsgebetes - wobei wir uns von Mittag an mehr beeilten -, und darauf rasteten wir. Als wir fünfzehn Nächte dergestalt geritten waren, erreichten wir ein riesiges Gebirge mit vielerlei großen Felsen. Es gibt dort Quellen, welche aus den Felsen schießen, und das Wasser staut sich in Becken. Von diesem Orte aus zogen wir weiter, bis wir auf einen türkischen Stamm stießen, welcher Oguz genannt wird.

Die Sitten der Oguz-Türken

Die Oguz sind Nomaden und besitzen Häuser aus Filz. Sie bleiben eine Zeitlang an einem Orte und reisen dann weiter. Ihre Behausungen sind gemäß dem nomadischen Brauch hier und dort angesiedelt. Obzwar sie ein hartes Dasein fristen, sind sie wie entlaufene Esel. Sie haben keinerlei religiöse Bande zu Gott. Sie beten niemals, sondern heißen statt dessen ihre Obersten Herren. Wenn einer von ihnen mit seinem Häuptling zu Rate geht, so sagt er: »O Herr, was soll ich in dieser oder jener Angelegenheit tun?«

Ihre Unternehmungen gründen sich einzig auf Beratungen untereinander. Ich habe sie sagen hören: »Es gibt keinen Gott außer Allah, und Mohammed ist der Prophet von Allah«, doch sprechen sie dergestalt, um vertraut zu werden mit jedem Muslim, und nicht, weil sie es glauben. Der Herrscher der Oguz-Türken wird Yabgu genannt. Dies ist der Name des Herrschers, und jeder, welcher über diesen Stamm herrscht, trägt den Namen. Sein Unterstellter wird stets Kudarkin genannt, und daher wird jeder einem Häuptling Unterstellte Kudarkin genannt. Die Oguz waschen sich nicht nach Darmentleerung oder Harnabschlagen, noch baden sie nach der Lustlösung oder zu anderen Gelegenheiten. Für Wasser haben sie keinerlei Verwendung, zumal im Winter. Kein Kaufmann oder anderer Mohammedaner kann seine Waschung in ihrer Gegenwart vollziehen, außer des Nachts, wenn die Türken es nicht sehen, denn sonst werden sie aufgebracht und sagen: »Dieser Mann möchte einen Fluch auf uns laden, denn er versenkt sich in Wasser«, und sie zwingen ihn, eine Buße zu bezahlen.



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