
Darauf töten sie seine Pferde. Sie töten ein- oder zweihundert, so viele, wie er besitzt, an der Stätte des Grabes. Darauf verzehren sie das Fleisch bis auf den Kopf, die Hufe, das Fell und den Schwanz, denn diese hängen sie an hölzernen Stangen auf und sagen: »Dies sind seine Rösser, auf welchen er ins Paradies reitet.« Ist er ein Held gewesen und hat Feinde erschlagen, so schnitzen sie hölzerne Statuen von der Anzahl jener, welche er erschlagen, stellen sie auf sein Grab und sagen: »Dies sind seine Pagen, welche ihn im Paradies bedienen.« Mitunter schieben sie das Töten der Pferde um einen Tag oder zwei auf, und dann spornt ein alter Mann unter ihren Älteren sie an, indem er sagt: »Ich habe den Toten im Schlafe gesehen, und er sagte zu mir: >Hier sehet Ihr mich denn. Meine Gefährten haben mich überholt, und meine Füße waren zu schwach, ihnen zu folgen. Ich kann sie nicht ereilen, und so bin ich allein geblieben.<« In diesem Falle schlachten die Menschen seine Rösser und hängen sie an seinem Grabe auf. Nach einem Tag oder zweien kommt der nämliche Alte zu ihnen und sagt: »Ich habe den Toten in einem Traum gesehen, und er sagte: >Bestell meiner Familie, daß ich mein Leid überwunden habe.<« Auf diese Weise bewahrt der alte Mann die Sitten der Oguz, da sich ansonsten für die Lebenden ein Begehren einstellen könnte, die Pferde des Toten zu behalten. (Farzan, ein unverhohlener Bewunderer von Ibn Fadlan, glaubt, dieser Absatz verrate »die Sensibilität eines modernen Anthropologen, da er nicht nur das Brauchtum eines Volkes festhält, sondern auch den Mechanismus, der dazu dient, dieses Brauchtum durchzusetzen. Von der ökonomischen Bedeutung her entspricht das Töten der Pferde eines Nomadenführers ungefähr unseren modernen Erbschaftssteuern; das heißt, es dient dazu, die Anhäufung von ererbtem Wohlstand in einer Familie zu verhindern.
