
Über den Verfasser
Ein Wort sollte auch zu Ibn Fadlan gesagt werden, dem Mann, der - trotz des Verstreichens von mehr als tausend Jahren und der Filterwirkung von Übertragungen und Übersetzungen aus zahlreichen linguistischen und kulturellen Traditionen - mit einer derart unverwechselbaren Stimme zu uns spricht. Wir wissen so gut wie nichts über ihn persönlich. Offensichtlich war er gebildet, und seinen Heldentaten nach zu schließen, konnte er nicht sehr alt gewesen sein. Er stellt explizit dar, daß er ein Vertrauter des Kalifen war, den er im übrigen nicht besonders schätzte. (Damit stand er nicht allein, denn Kalif al-Muqtadir wurde zweimal entthront und schließlich von einem seiner eigenen Offiziere gemeuchelt.) Von seinem gesellschaftlichen Umfeld wissen wir mehr. Im zehnten Jahrhundert war Bagdad, die Stadt des Friedens, die zivilisierteste Stadt auf der Welt. Mehr als eine Million Menschen lebten innerhalb der berühmten Ringmauern. Bagdad war der Brennpunkt des intellektuellen und kommerziellen Lebens inmitten eines von außerordentlicher Anmut, Eleganz und Pracht geprägten Ambiente. Hier gab es Duftgärten, kühle, schattige Lauben und die versammelten Reichtümer eines riesigen Imperiums. Die Araber von Bagdad waren Moslems und entschiedene Anhänger dieser Religion. Doch sie waren auch mit Menschen konfrontiert, die sich in Aussehen, Verhalten und Glauben von ihnen unterschieden. Tatsächlich waren die Araber zu jener Zeit die am wenigsten provinziellen Menschen der Welt, und dies machte sie zu vorzüglichen Beobachtern fremder Kulturen. Ibn Fadlan selbst ist unverkennbar ein intelligenter und aufmerksamer Mann. Er interessiert sich sowohl für die
Einzelheiten des Alltagslebens wie auch für den Glauben der Menschen, denen er begegnet.
