Tonak studierte die Namen der Wohngebiete, die Namen der Strassen und Flüsse. Sein Herz machte einen weiteren Satz – irrte er sich auch nicht? Spielte ihm sein sehnlichster Wunsch auch keinen Streich? Er vergewisserte sich wieder und wieder, aber es schien ihm ganz so, als befänden sie sich hier, in diesem Haus, in unmittelbarer Nähe dieses weißen Flecks, in direkter Nachbarschaft zum Urwald.

Er suchte und fand seine Cousine. »Gham’bia, stimmt das, daß hier ganz in der Nähe die Wildnis beginnt?«

»Der Dschungel?« Sie sah ihn mit großen, verständnislosen Augen an. »Ja, der ist auf der anderen Seite des Flusses. Aber du brauchst dir keine Sorgen zu machen, wir sind hier absolut sicher.«

»Wie kommt man dort hin?«

»Wie meinst du das, wie kommt man dort hin?«

»Wohin muß ich gehen, wenn ich in den Urwald gehen will?«

»In den Urwald?«

»Ja. In den Dschungel. In die Wildnis.«

Völlige Verständnislosigkeit. »Man kann nicht in den Dschungel gehen. Es gibt keinen Weg dort hin. Und selbst wenn es einen gäbe, man braucht eine staatliche Erlaubnis dafür.«

»Ist der Dschungel eingezäunt?«

»Nein, aber es gibt einfach keine Brücke über den Fluß. Tonak, was soll das? Was stellst du mir für komische Fragen?«

Tonak sah sie an. »Vergiß es. Es hat mich nur interessiert.«

Sie musterte ihn von oben bis unten aus ihren unergründlichen schwarzen Augen. »Mach bitte keinen Unsinn, Tonak. Du kennst den Dschungel nur aus Erzählungen, aus Büchern… Es ist wirklich gefährlich dort, weißt du?«

»Ja, natürlich. Es hat mich nur interessiert.« Er machte, daß er fortkam, ehe er noch mehr preisgab von dem, was in ihm vorging.

»Es regnet!« rief jemand. Tonak sah beinahe automatisch auf seine Uhr: zehn vor elf. Pünktlich wie immer. Zuerst nur kleine, glitzernde Punkte auf den großen Glasscheiben und dunkle Flecken auf der Terasse, dann setzte der Regen ein, weich und gleichmäßig niederpladdernd, wie es am besten war für die Pflanzen.



14 из 38