
Dann knarzten schwerfällige Schritte die Treppe zum Knüpfzimmer empor. Das mußte eine der Frauen sein, die ihm das Mittagessen brachte. Unten würden sie jetzt die Händlerin an den Tisch einladen, um den neuesten Klatsch zu erfahren und sich irgendwelchen Tand aufschwatzen zu lassen. Er seufzte, zog den Knoten fest, an dem er gerade war, setzte die Vergrößerungslinse ab und drehte sich um.
Es war Garliad, die da stand mit ihrem enormen Bauch und einem dampfenden Teller in der Hand und wartete, bis er ihr mit einer ungeduldigen Handbewegung erlaubte, näherzutreten.
"Was fällt den anderen Frauen ein, dich arbeiten zu lassen in deinem Zustand?" knurrte er. "Willst du meine Tochter auf der Treppe gebären?"
"Ich fühle mich heute sehr gut, Ostvan", erwiderte Garliad.
"Wo ist mein Sohn?"
Sie zögerte. "Ich weiß es nicht."
"Dann kann ich es mir schon denken!" schnaubte Ostvan. "In der Stadt! In dieser Schule! Bücher lesen, bis ihm die Augen wehtun, und sich Flausen in den Kopf setzen lassen!"
"Er hat versucht, die Heizung zu reparieren, und ging dann fort, um irgendein Teil zu besorgen, wie er sagte."
Ostvan stemmte sich von seinem Schemel hoch und nahm ihr den Teller aus den Händen. "Ich verfluche den Tag, an dem ich zuließ, daß er in diese Schule in der Stadt geht. Hat Gott es bis dahin nicht gut mit mir gemeint? Hat er mir nicht fünf Töchter geschenkt und dann erst einen Sohn, so daß ich kein Kind töten mußte? Und haben meine Töchter und Frauen nicht Haare in allen Farben, so daß ich überhaupt nicht färben muß und einen Teppich knüpfen kann, der einst des Kaisers würdig sein wird? Warum will es mir nicht gelingen, aus meinem Sohn einen guten Teppichknüpfer zu machen, damit ich einmal meinen Platz finde neben Gott und ihm helfen darf, am großen Teppich des Lebens zu knüpfen?"
