Abron wagte nicht, seinen Vater anzusehen, als er entgegnete: "Es gibt Gerüchte in der Stadt, von einer Rebellion, und daß der Kaiser abdanken muß… Wer kann denn noch Haarteppiche bezahlen, wenn der Kaiser nicht mehr da ist?"

"Eher verlöschen die Sterne, als daß der Ruhm des Kaisers erlischt!" dröhnte Ostvan. "Habe ich dir diesen Satz nicht schon beigebracht, als du noch kaum neben mir am Knüpfrahmen sitzen konntest? Glaubst du, irgendwer kann einfach daherkommen und die Ordnung umstoßen, wie Gott sie gefügt hat?"

"Nein, Vater", murmelte Abron. "Natürlich nicht."

Ostvan betrachtete ihn. "Geh jetzt und arbeite am Entwurf deines Teppichs."

"Ja, Vater."

Am späten Abend setzten bei Garliad die Wehen ein. Die Frauen begleiteten sie in das vorbereitete Gebärzimmer; Ostvan und Abron blieben in der Küche.

Ostvan holte zwei Becher und eine Flasche Wein, und sie tranken schweigend. Gelegentlich hörten sie Garliad im Gebärzimmer schreien oder stöhnen, dann geschah wieder lange Zeit nichts. Es würde eine lange Nacht werden.

Als sein Vater die zweite Flasche Wein holte, fragte Abron:

"Was, wenn es ein Junge ist?"

"Das weißt du so gut wie ich", erwiderte Ostvan dumpf.

"Was wirst du dann tun?"

"Seit ewigen Zeiten gilt das Gesetz, daß ein Teppichknüpfer nur einen Sohn haben darf, weil ein Teppich nur eine Familie ernähren kann." Ostvan deutete auf ein altes, fleckiges Schwert, das an der Wand hing. "Damit hat dein Großvater meine zwei Brüder am Tag ihrer Geburt getötet."

Abron schwieg. "Du hast gesagt, Gott hat diese Ordnung gefügt", brach es schließlich aus ihm heraus. "Das muß ein grausamer Gott sein, findest du nicht?"

"Abron!" donnerte Ostvan.

"Ich will nichts zu tun haben mit deinem Gott!" schrie Abron und stürzte aus der Küche.

"Abron! Bleib hier!"

Aber Abron rannte die Treppe zu den Schlafräumen hinauf und kam nicht mehr zurück.



24 из 38